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submitted 4 days ago* (last edited 4 days ago) by kalrados12@feddit.org to c/fragfeddit@feddit.org

Ich komme nicht aus einer reichen Familie und arbeite ganz normal. Als Teenager habe ich trotzdem ziemlich viel über ethischen Konsum nachgedacht. Keine Ahnung, was genau der Auslöser dafür war. Man hört ja schon seit Jahren ständig davon, wie problematisch unser Konsum ist, wie Menschen bei der Produktion ausgebeutet werden usw.

Gerade bei Kleidung habe ich das immer ziemlich schlimm gefunden. Wenn ich lese, unter welchen Bedingungen manche Menschen für sehr wenig Geld arbeiten müssen, finde ich das natürlich nicht okay. Vor allem weil ich selbst arbeite und weiß, wie wichtig vernünftige Arbeitsbedingungen sind.

Deshalb habe ich lange versucht, möglichst keine Sachen von großen Fast-Fashion- oder Massenmarkt-Marken zu kaufen. Ich wollte lieber Produkte von Firmen kaufen, die irgendwie „verantwortungsvoller“ produzieren.

Mittlerweile mache ich das aber nicht mehr. Nicht, weil mir das Thema plötzlich egal ist, sondern weil ich gemerkt habe, dass ich es mir einfach nicht leisten kann.

Das ist mir besonders vor ein paar Monaten aufgefallen, als ich aus ethischen Gründen Vegetarier werden wollte. Ich wollte einfach kein Fleisch mehr essen, weil ich die Haltung und Schlachtung von Tieren nicht unterstützen wollte.

Das Problem war nur: Viele Produkte, die ich als Alternative gefunden habe, waren für mich ziemlich teuer. Bei mir in der Stadt gibt es zum Beispiel einen Bio-Supermarkt. Ich kann dort ehrlich gesagt kaum einkaufen, weil die Preise für mich einfach viel zu hoch sind. Wenn ich dort bin, habe ich auch jedes Mal das Gefühl, dass dort hauptsächlich Leute einkaufen, die deutlich mehr Geld haben als ich.

Und ja, ich weiß, dass jetzt wahrscheinlich jemand kommt und sagt, dass man auch billig vegetarisch leben kann. Darum geht es mir aber gar nicht. Ich will keine Diskussion darüber führen, ob man theoretisch mit 2 € am Tag vegetarisch leben kann.

Ich werde von einem Salat einfach nicht satt. Fleisch ist für mich eine relativ günstige Möglichkeit, genug Kalorien und Eiweiß zu bekommen. Dazu kommen Reis, Nudeln, Kartoffeln, Haferflocken usw. Das ist einfach mein normales Essen.

Bei Kleidung ist es genauso. Ich kann mir nicht leisten, jedes T-Shirt für 50 oder 100 € bei irgendeiner nachhaltigen Marke zu kaufen. Wenn ich neue Kleidung brauche, kaufe ich sie halt bei H&M oder irgendwo, wo sie billig ist.

Und ich sage das nicht, um zu erzählen, wie arm ich bin. Mir geht es um etwas anderes.

Wenn man wenig Geld hat, ist „ethischer Konsum“ einfach nicht immer eine echte Option.

Was mich dabei inzwischen ziemlich stört, ist, wie viel Schuld dem einzelnen Konsumenten gegeben wird.

Kauf keine Fast Fashion. Kauf kein Plastik. Kauf Bio. Kauf regional. Kauf nachhaltig. Iss kein Fleisch. Schau immer nach, wo etwas produziert wurde.

Aber warum liegt die Verantwortung dafür eigentlich so stark beim Konsumenten?

Ich kaufe eine Plastikflasche und soll mich schlecht fühlen. Gleichzeitig produziert Coca-Cola wahrscheinlich mehr Plastikverpackungen, als ich in meinem ganzen Leben verbrauchen werde.

Ich kaufe ein billiges T-Shirt und soll mich dafür schuldig fühlen. Aber warum wird nicht viel stärker darüber gesprochen, wie die Unternehmen produzieren und welche Arbeitsbedingungen sie schaffen?

Ich verstehe schon, dass Konsumenten durch ihre Kaufentscheidungen etwas beeinflussen können. Und ich finde Ausbeutung oder Umweltverschmutzung natürlich nicht gut.

Aber ich finde es irgendwie absurd, von Menschen mit wenig Geld zu erwarten, dass sie bei jedem Einkauf die moralisch perfekte Entscheidung treffen.

Wenn die „ethische“ Alternative doppelt oder dreimal so viel kostet, dann ist das für jemanden mit wenig Geld keine wirkliche Wahl.

Und deshalb habe ich aufgehört, mich deswegen schlecht zu fühlen.

Ich würde lieber in einer Gesellschaft leben, in der faire Arbeitsbedingungen, vernünftige Produktion und weniger Umweltverschmutzung nicht davon abhängen, ob sich der einzelne Konsument das teurere Produkt leisten kann.

UPD: Ich fühle mich schuldig, weil ich darauf verzichte, aber ich weiß nicht, was ich mit dieser Schuld anfangen soll, die mir von der Gesellschaft eingeredet wird. Was soll ich richtig machen? Ist unethischer Konsum für arme Menschen moralisch gerechtfertigt, wenn man davon ausgeht, dass sich ein armer Mensch ethischen Konsum nicht leisten kann? Und folgt aus meinen obigen Aussagen, dass ethischer Konsum vor allem ein neues Statussymbol ist, das es ermöglicht, die Gesellschaft zu spalten?

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[-] JensSpahnpasta@feddit.org 31 points 4 days ago

"Man kann die Welt nicht nach Feierabend retten, wenn jemand sie hauptberuflich zerstört".

[-] aaaaaaaaargh@feddit.org 7 points 4 days ago

Das liest sich mit dem Namen Jens Spahn darüber schon ein wenig zynisch.

[-] JensSpahnpasta@feddit.org 6 points 4 days ago

In wenigen Wochen muss ich den Usernamen wechseln, dann kennt ja keiner mehr die Referenz

[-] aaaaaaaaargh@feddit.org 3 points 4 days ago* (last edited 4 days ago)

Ich hoffe es so sehr, auch, wenn es mir für dich leid tut.

Oder du wartest, bis Jens eine neue Brille hat und wieder zurückkehrt, um als Kanzler zu kandidieren.

[-] Lumidaub@feddit.org 4 points 4 days ago

Kannst du mal bitte dein Maul halten, statt dem Mann noch Ideen zu liefern, danke recht herzlichst, gezeichnet der Rest der Realität. 🫠🫠🫠

[-] D_a_X@feddit.org 18 points 4 days ago

Das Problem war nur: Viele Produkte, die ich als Alternative gefunden habe, waren für mich ziemlich teuer.

Das ist ein Punkt, den ich auch nicht verstehe. Wir füttern Soja an Schweine und haben einen ziemlichen Aufwand, sie groß zu ziehen, zu schlachten und zu verwursten. (der ethische Standpunkt außen vor) Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Tofu und andere Produkte aus Soja, die erheblich weniger komplex und aufwendig zu verarbeiten sind, denselben Kilopreis wie Fleisch haben. Das riecht nach Abzocke.

[-] OlimitLolli@feddit.org 12 points 4 days ago

Logisch betrachtet macht es vom Ressourcenaufwand her keinnen Sinn, aber in einer Marktwirtschaft richtet sich der Preis eines Produkts nicht primär daran, wie viel es kostet, es herzustellen. Sondern er orientiert sich am maximalen Profit, den Unternehmen erzielen können. Und besonders bei vegetarischen/veganen Produkten sind viele Verbraucher bereit, deutlich höhere Preise zu hinzunehmen. Der Kapitalismus priorisiert nicht Nachhaltigkeit oder Ressourceneffizienz, sondern die Gewinnmaximierung. Also ja es ist Abzocke, aber so funktioniert der Kapitalismus.

[-] Quittenbrot@feddit.org 4 points 4 days ago

Hmm, jain.

Grundsätzlich ist das Soja, das wir an Tiere verfüttern, sicherlich oft ein anderes als das, woraus wir Tofu machen. Bei Tierfutter-Soja interessiert es keinen, ob es aus riesigen, konventionellen Agrar-Wüsten aus Südamerika kommt und genmanipuliert ist, Hauptsache billig. Bei Tofu-Soja wollen wir guten Anbau in Europa, oft Bio und in viel besserer Qualität. Dazu ist die Fleischindustrie hochsubventioniert.

Klar nutzen die Hersteller einerseits, dass es im Vergleich zur Fleischindustrie verhältnismäßig wenig Angebot und hohe Nachfrage gibt und dass diejenigen, die sich ethisch bewusst ernähren wollen, sich das was kosten lassen. Aber eben genau der Kapitalismus/die Marktwirtschaft korrigiert das gerade, denn so ein Ungleichgewicht aus Angebot und Nachfrage nivelliert sich in einer Marktwirtschaft. Daher gibt es jetzt auch Discounter-Eigenmarken, die den Markt treiben und die Preise immer weiter drücken. Im Vergleich zu vielleicht 10 Jahren ist es heute schon viel einfacher und günstiger möglich, sich vegan zu ernähren. Bei Netto kostet der Tofu vllt 6€/Kilo. Probier das mal mit Fleisch.

Wie das mal aussehen wird, kann man im Asia-Supermarkt sehen. Da gibt es längst ganz normalen Tofu, ohne Bio, als günstiges Massenprodukt, weil er dort in der breiten Masse viel selbstverständlicher gegessen wird. So wird das bei uns auch sein.

[-] kalrados12@feddit.org 3 points 4 days ago

Warum sind vegane Ersatzprodukte, die größtenteils aus Bohnen, Soja oder anderen Hülsenfrüchten hergestellt werden, eigentlich so teuer? Zum Beispiel veganes Fleisch, Hackfleisch oder Würstchen. Ich schaue mir manchmal die Zutatenliste an und sehe ehrlich gesagt nichts, was für mich einen Preis von 20 bis 40 Euro pro Kilo rechtfertigen würde.

[-] Quittenbrot@feddit.org 3 points 4 days ago

Ich würde mal tippen, dass da mehrere Sachen zusammenkommen: um aus Sojabohnen ein Produkt zu machen, das Otto-Normalverbraucher möglichst stark an Fleisch erinnert, muss das Produkt extrem verarbeitet werden. Entscheidend für den Preis ist dann nicht mehr die Zutat an sich, sondern was man alles mit ihr anstellen muss, bis man das fertige Produkt hat. Das ist paradoxerweise ein bisschen wie beim Schwein, das man zwar auch mit billigem Soja füttert, aber trotzdem am Ende mehr für das fertige "Produkt" zahlen muss. Dann hast du mit Sicherheit auch Entwicklungskosten, die diese Firmen, die vegane Burgerpatties oder Chicken Nuggets mit aufwendigster Lebensmitteltechnologie kreiert haben, wieder reinholen wollen. Und zu guter Letzt, wie du ja ursprünglich schon bemängelt hast, die Tatsache, dass der Handel hier gerne noch etwas tiefer in die Tasche greift, weil Verbraucher, die sich bewusst ethischer ernähren wollen, eben bereit sind, sich das etwas kosten zu lassen. Quasi eine "Pink Tax" für Vegetarier/Veganer.

Persönlich sehe ich das Problem also eher in den Produkten, die möglichst perfekt ein Fleischprodukt imitieren möchten. Denn die sind teuer in der Fertigung, beliebt und dementsprechend als "Lifestyle-Produkt" teurer im Verkauf und tendenziell einfach ineffizienter. Ich nutze zb lieber normalen Tofu, den ich mir entweder als "Hackersatz" herrichte oder in kleine Würfel geschnitten und in Stärke gewendet im Ofen knusprig backe und dann weiter verwende.

[-] kalrados12@feddit.org 2 points 4 days ago

Ja, ich verstehe, was Sie meinen. Ich kann Fleisch einfach nicht komplett durch Tofu ersetzen. Ich versuche, aus ethischen Gründen auf Fleisch zu verzichten, nicht weil ich Fleisch nicht mag. Im Gegenteil, ich liebe Fleisch einfach. Wahrscheinlich auch, weil das so ziemlich das Einzige war, was ich als Kind gegessen habe.

Ich bin beim Essen generell sehr, sehr wählerisch. Es gibt viele Sachen, die ich einfach nicht esse. Deshalb bedeutet Fleisch für mich wegzulassen, dass ich gefühlt die Hälfte von dem streichen muss, was ich überhaupt esse – und dann auch noch den Teil, den ich am liebsten mag.

Fleischersatz hilft mir dabei, zumindest noch etwas von dem Geschmack zu haben, den ich mag. Wobei ich ehrlich sagen muss, dass ich diese Ersatzprodukte geschmacklich jetzt auch nicht sooo toll finde. Aber das ist eine andere Diskussion. Trotzdem würde ich sie definitiv lieber essen.

Und glaubt mir, sogar Hülsenfrüchte zu essen, fällt mir schwer. Einmal war mein Freund völlig baff, weil ich vor dem Essen die Haut von einer Tomate abgezogen habe.

Also ja, ihr müsst verstehen. Ich bin beim Essen einfach extrem heikel.

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[-] gandalf_der_13te@feddit.org 2 points 4 days ago

Bei Netto kostet der Tofu vllt 6€/Kilo. Probier das mal mit Fleisch.

so nebenbei als referenz, fleischkäse beim billa kostet ca. 20€/kg, thunfisch von rio mare aus der dose ebenfalls ca. 20€/kg.

[-] kalrados12@feddit.org 1 points 4 days ago

Oarschbude!

[-] glasratz@feddit.org 1 points 4 days ago* (last edited 4 days ago)

Bei Netto kostet der Tofu vllt 6€/Kilo. Probier das mal mit Fleisch.

Geht (leider) absolut. Für den Preis bekommt man z.B. Schweinebauch oder Suppenhühner.

[-] Senseless@feddit.org 6 points 4 days ago

Ich glaub ne Mischung aus mehreren Faktoren. In der Fleischindustrie wird auch einfach ziemlich beschissen bezahlt.

[-] bremen15@feddit.org 7 points 3 days ago

Ich stimme dir in deiner Systemkritik zu. Aber die Beispiele Ernährung und Kleidung und wie du sie problematisierst finde ich im Gegenteil einfach. Siehe Kommentare.

[-] BigShammy80@feddit.org 6 points 3 days ago

Es ist halt der typische Teufelskreis

Um etwas zu ändern, müssten wir alle bewusster konsumieren, das kostet jedoch mehr Geld, die Leute wollen/können aber kein Geld ausgeben und kaufen billig, die Unternehmen produzieren weiterhin billig.

Die Leute geben ihr Geld eben lieber für ihren "Luxus" oder Lebensqualität aus, was ja auch verständlich ist und sparen dann eben bei Lebensmitteln und Kleidung...

Lösung bei Kleidung wäre evtl. Second Hand... bei Lebensmitteln ist es halt schwer

[-] d_k_bo@feddit.org 4 points 3 days ago

Um etwas zu ändern, müssten wir alle bewusster konsumieren

Eben nicht. Den weitaus größeren Hebel gibt es über den politischen/regulatorischen Weg, der die Unternehmen in die Verantwortung nimmt, anstatt die einzelnen.

[-] Cacaocow@feddit.org 3 points 3 days ago

Ethisches Konsumieren wird nicht günstiger, wenn es durch Politik erzwungen wird. Und wenn die Leute sich keinen Urlaub mehr leisten können, weil es keine T-Shirts mehr für 2€ gibt, dann ist leider auch schnell wieder Schluss mit regulatorischer Politik. Und da ist das grundlegende Problem, wenn die Gesellschaft es wollte, dann würde die Politik das auch auch umsetzen. Aber die Gesellschaft will halt nicht.

[-] flops@feddit.org 2 points 3 days ago

Doch, ethisches Konsumieren wird durch politische Regeln günstiger. Denn wenn die billige, unethische Alternative "verboten" ist, ist einerseits das Alleinstellungsmerkmal weg, das zB bei veganen Ersatzprodukten richtig teuer ist (gutes Gefühl beim Kaufen ist Geld wert) Vor allem aber steigen die produzierten Mengen an ehtischen Alternativen, und mit größeren Mengen sinkt immer auch der Preis.

[-] flops@feddit.org 1 points 3 days ago

Und außerdem will die Gesellschaft durchaus Veränderung. Schau dir zB mal Umfragen zu mehr Klimaschutz oder Tierschutz an usw. Aber für viele bestimmt gleichzeitig halt auch der Geldbeutel, was gekauft wird.

[-] horsesaysweird@feddit.org 15 points 4 days ago

Du hast zwar gesagt, dass Du keine Ratschläge willst, aber ich kann das so nicht stehen lassen.

Fleisch ist für mich eine relativ günstige Möglichkeit, genug Kalorien und Eiweiß zu bekommen. Dazu kommen Reis, Nudeln, Kartoffeln, Haferflocken usw. Das ist einfach mein normales Essen.

Fleisch ist so ziemlich das teuerste Lebensmittel und ernährungstechnisch nicht wirklich notwendig wenn Du viel Reis, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse isst. Lass einfach das Fleisch weg und kauf Dir stattdessen einmal im Monat B12-Tabletten für ~2-3 €. Wenn Du jeden Tag Fleisch isst, solltest Du dadurch locker einen zweistelligen Betrag sparen können. Wenn es nicht immer das billigste Supermarkfleisch ist, wahrscheinlich mehr.

Ich kann mir nicht leisten, jedes T-Shirt für 50 oder 100 € bei irgendeiner nachhaltigen Marke zu kaufen.

Ich will eigentlich keine Werbung machen, aber bei grundstoff.net oder avocadostore.de gibt's T-Shirts für gut 10 €. Das ist vielleicht doppelt so teuer wie bei H&M, aber wieviele T-Shirts braucht man? Vielleicht drei pro Jahr?


Es gibt natürlich andere Gründe, keinen Bock auf ethischen Konsum zu haben. Ich bin selber arm und weiß, dass man davon leicht schlechte Laune kriegt, und mit schlechter Laune fällt es einem ungleich schwerer, sich über die Bedürfnisse von Leuten Gedanken zu machen, die so weit weg und fremd sind, dass sie eigentlich nur theoretisch existieren. Und wenn man doch mal gute Laune hat und sie mit einem Eis oder Döner feiern will, dann ist man sofort wieder betrübt, weil man was Böses getan hat.

Um die eigene Armut irgendwie herumzukonsumieren ist ohnehin schon nicht leicht, und es wird definitiv nicht einfacher, wenn man sich auch noch um die Armut anderer Gedanken machen muss. Ich kann total gut verstehen, wenn Du da keinen Bock mehr drauf hast und aufgibst.

Aber es geht. Irgendwie. Meistens. Und wenn es mal nicht geht, oder wenn man einfach gerade keine verfickte Lust hat, dann ist das vollkommen in Ordnung! Wenn Du Deinen Fleischkonsum auch nur um 1 % reduzierst, bist Du ethisch auf dem richtigen Weg und sparst sogar noch Geld dabei. Wenn Deine Ansprüche an Dich zu hoch sind, dann schraub Deine Ansprüche runter und schmeiß nicht einfach alles hin. Du musst es nicht von "Fleisch ist die Grundlage jeder Mahlzeit" zu "ich esse nichts was einen Schatten wirft" einem Schritt schaffen. Es ist sogar in Ordnung, nie ans Ziel zu gelangen, solange Du immer wieder in paar kleine Schritte in die richtige Richtung gehst, so wie es eben gerade geht.

[-] flops@feddit.org 6 points 3 days ago

Deine Kritik an dem Konzept des ethischen Konsums Teile ich komplett. Es sind am Ende halt nicht "wir" 90% der Menschen, die die Welt scheisse machen und das Klima zerstören, sondern die Zuckerbergs, Musks, Kardashians, Merz und generell Reiche (Pun intended), die das tun. Die Konzerne, die die Margen so hoch treiben, dass man sich teilweise zwischen satt werden und was gutes essen entdcheiden muss, sind die Verbrecher, nicht die, die sich kein Bio leisten können.

Mit deiner Analyse, Fleisch sei billig und proteinreiche, liegst du aber heftig daneben. Wenn ich kein Geld mehr habe, esse ich die typischen Bauernessen aus aller Welt, die eigentlich alle gleich aufgebaut sind und für körperlich aktive Menschen so ziemlich das billigste sind was es nur gibt. Immer Hälfte Getreide, Hälfte Linsen, evtl ein bisschen Milchprodukt dazu. ZB Mujadara (arabischer Raum), Dal mit Reis, Kichri (beides Indien) Nudeln mit Bohnen (Italien), Reis mit Bohnen (Süd- und Mittelamerika... Oft mit etwas Joghurt.

Kostet meist unter 2€ die Portion bei ~800-1000 kcal und massig Eiweiß, das in der Kombi auch noch eine höhere Wertigkeit hat als Fleisch. Das Problem ist halt, nach der Arbeit noch die Motivation zu finden zu kochen und dass das heute kaum noch wer wirklich kann. Das meiste dauert mit etwas Übung aber auch nicht länger als 20min, und du kannst auch gleich mehrere Portionen machen und kühlen. Kann ich nur empfehlen!

[-] kalrados12@feddit.org 2 points 3 days ago

Ich liebe Pasta e fagioli wirklich sehr. Ehrlich gesagt mag ich viele vegetarische Gerichte nicht so gerne, weil oft Zutaten dabei sind, die ich nicht so gut vertrage, zum Beispiel Kichererbsen, Linsen, Süßkartoffeln oder bestimmte Gewürze. Es geht gar nicht darum, dass ich europäisches Essen besser finde. Ich habe einfach einen ziemlich empfindlichen Magen und vertrage viele Sachen, die in der asiatischen, afrikanischen oder nahöstlichen Küche üblich sind, nicht besonders gut. Deshalb halte ich mich eher an Essen, das ich gut vertrage, und besonders gerne an die italienische Küche.

[-] Cacaocow@feddit.org 1 points 3 days ago

Ist ein ziemlich wichtiges Detail, dass du da ausgelassen hast. Macht den Teil deutlich verständlicher. Der erste und wichtigste Schritt ist anzuerkennen, dass sich was ändern muss und dass man sich auch selber ändern muss. Es ist auch immerhin ein Fortschritt, wenn man weitestgehend auf Tierprodukte verzichtet. Es muss ja kein 100% verzicht sein, vor allem, wenn man eine vegane Ernährungsweise nicht verträgt. Aber dem bewussten Konsum deswegen komplett abzusagen, ist dumm.

[-] Novocirab@feddit.org 9 points 4 days ago* (last edited 4 days ago)
  • Generell wird vegane/vegetarische Ernährung günstiger, je länger man sie schon macht, da man einiges an praktischen Sparmöglichkeiten erst mit der Zeit kennen lernt. Beispiel (nicht vegan-spezifisch): Bei Veranstaltungen mit Essensausgabe als Freiwillige*r die letzte Schicht übernehmen, denn am Ende wird oft Übriggebliebenes verschenkt. Vielleicht gibt es außerdem nennenswerte Foodsharing-Aktivität in deiner Stadt, was insofern vegan-spezifisch ist, als sich pflanzliches Essen wesentlich besser hält.

  • Zudem ändern sich bei Vielen doch mit der Zeit die Geschmackserwartungen dahingehend, dass man tendenziell weniger von den – ja relativ teuren – Fleischersatzprodukten braucht. Das hängt auch damit zusammen, dass hinter Essenswünschen stark das physiologische Verlangen nach Aminosäuren in geeigneter Kombination steckt – und da braucht es nach so einer großen Ernährungsumstellung erst reichlich lange, bis man ein gutes Gefühl hat, wie man sich Nüsse, Soja, Vollkorn usw. so kombiniert, dass das Verlangen erfüllt wird.

  • Bei Kleidung etc. gibt es auch einen Haufen Kenntnisse, die das mit der Zeit günstiger machen: Wo kannst du in deiner Umgebung gebrauchte Kleidung kaufen? Gehst du, wenn du auf Besuch in einer anderen Stadt bist und dort Zeit hast, in Gebraucht-Geschäfte (z.B. Oxfam), die du zufällig entdeckst? Wann finden Flohmärkte statt und wo lohnt es sich zu gucken? Kannst du mit Nadel und Faden einfache Löcher reparieren, ehe die sich ausweiten und das Kleidungsstück hinüber ist? Was schreibt man in den Klimaschutz-Gruppen in deiner Stadt so über konkrete Gelegenheiten für nachhaltiges+günstiges Leben?

[-] bremen15@feddit.org 2 points 3 days ago
[-] Zacryon@feddit.org 3 points 3 days ago

Ja, ist ja ok.

Mach ethischen Konsum dort, wo es für dich funktioniert. Wenn das für dich finanziell nicht machbar ist, ist es mMn. auch in Ordnung dann eben auf konventionelle Produkte zurückzugreifen. Das muss ja auch kompatibel mit deiner Alltagsrealität bleiben. Und wenn du es schwierig hast den Kopf über Wasser zu halten, sollte man sich natürlich nicht noch mit vermeidbaren Belastungen runterziehen.

Was für eine absurde Welt, in der Fleisch teilweise günsitger als eine Biogurke ist... Da werden die Anreize und Subventionen falsch gesetzt.

Bezüglich Kleidung: Einige (leider bei weitem nicht alle) Zweite-Hand Geschäfte bieten eine Möglichkeit günstig und nachhaltig Kleidung zu kaufen.

Der Rest meines Kommentares bezieht sich auf die Kostenfrage bei pflanzlicher Ernährung und könnte klugscheißend wirken. Lesen auf eigene Gefahr.


Bezüglich pflanzlicher Diäten: über zahlreiche Studien hinweg hat sich gezeigt, dass diese idR günstiger ist. Daneben ist sie auch erwiesenermaßen erheblich besser für die eigene Gesundheit. Und das Klima profitiert dabei nebenher im Durchschnitt auch.

Aber: pflanzliche Ernährung muss auch richtig gemacht werden. Wenn du erwartest von einem Salat satt zu werden machst du es falsch. Kartoffeln sind eines der am besten sättigendsten Nahrungsquellen. Mit Hülsenfrüchten, wie Bohnen, Kichererbsen, etc. hast du hervorragende Proteinquellen und nebenbei sind die auch deutlich sättigender als ein Eisbergsalat. Da gibt es haufenweise Ratgeber im Internet.

In Unverpackt-Läden kannst du diese dann ggf. auf den Mengenpreis erschwinglich erhalten.

Mit pflanzlichen verarbeiteten Ersatzprodukten wie Aufschnitt, Steak, etc.. klappt das nicht. Die Teile nutzen die Beliebtheit preislich aus und haben die "Veganer-Steuer: tolle leckere Alternativprodukte, aber hoher Preis.

Sich pflanzlich zu ernähren bedeutet aber nicht, dass man darauf angewiesen ist. Auch, wenn sie einiges natürlich einfacher machen.

[-] nicerdicer@feddit.org 7 points 4 days ago

Ich kann mich da anderen nur anschließen: Jeder sollte nach den eigenen Möglichkeiten handeln, dann aber auch nicht verurteilt werden, wenn der ethische Konsum mal nicht klappt.

Ich habe mal woanders einen guten Vergleich aufgeschnappt: Es ist besser, etwas halbärschig zu machen, als es überhaupt nicht zu machen. Beispiele: Es ist besser, die Zähne nur mit der trockenen Bürste zu putzen, als überhaupt nicht. Es ist besser, den Schlüpper oder das T-Shirt einmal im Waschbecken mit Spüli durchzuwaschen, anstatt es von vornherein nicht zu waschen oder gar zu wechseln. Es ist zwar nicht das Ideale, aber es ist immerhin besser als gar nichts.

Auf den ethischen Konsum, insbesondere Essen, würde das bedeuten: selbst, wenn man nur jede dritte Haupthmahlzeit zumindest vegetarisch ausgestaltest, dann ist das auf jeden Fall besser, als wenn jede einzelne Mahlzeit aus Fleisch besteht.

Und, wie auch schon von anderen gesagt worden ist: wenn man Klamotten so lange wie möglich trägt, dann ist es auf jeden Fall besser, als wenn man die Sachen nur eine Saison lang trägt. Das hängt natürlich auch von der Verarbeitungsqualität ab. Nach meiner Erfahrung trifft das aber auf billige und teure Klamotten gleichermaßen zu.

Viel wichtiger finde ich, dass man, wenn man Dinge kauft, hinterfragt, ob man diese wirklich benötigt (z.B. bei Produkten von Temu, die allesamt sehr verlockend sind, aber eigentlich keinen langfristeigen Nnutzen bieten).

[-] PonyOfWar@pawb.social 9 points 4 days ago

Man kann auch ethischer konsumieren indem man gerade weniger ausgibt. Zum Beispiel gibt es bei Kleidung nicht nur den Aspekt wie die Kleidung produziert wurde, sondern auch wie lange man sie trägt. Wenn man jedes Jahr seine ganze Garderobe wechselt, dann hilft es auch nicht unbedingt wenn die Kleidung von Trigema oder Patagonia war. Ein großer Teil von ethischem/ökologischem Konsum ist weniger Konsum.

Du sprichst aber sicher richtige Punkte an - nicht jeder hat das Privileg immer nur die ökologisch/gesellschaftlich ethischsten Produkte kaufen zu können. Da soll jeder nach seinen Möglichkeiten handeln und sollte absolut nicht dafür verurteilt werden, wenn er es nicht kann. Am Ende des Tages sind das ohnehin Probleme die sich so nicht lösen lassen. Da muss es auf viel höherer Ebene ein Umdenken und Handeln geben.

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[-] fr0g@piefed.social 8 points 4 days ago

Generell verstehe ich deine Punkte und würde dem insgesamt nicht groß widersprechen wollen. Aber das mit dem Fleischersatz als zentralem Beispiel finde ich etwas komisch, weil ich nicht verstehe, wie das hinhaut. Wenn man so Sachen wie "veganes Fleisch/Würstchen" oder Tofu im Biomarkt kauft, vielleicht. Aber ansonsten bist du doch einfach mit Linsen, Bohnen, Erbsen auch pro Gramm Protein deutlich günstiger unterwegs als mit Fleisch.

[-] OriginalTangle@feddit.org 3 points 3 days ago

T-Shirts kann man echt gut bei Vinted kaufen. Das ist schon per se nachhaltiger. Wenn man will kann man dann da noch extra nach bekannten nachhaltigen Marken filtern.

Man kann sogar nur nach Kategorien "neu" und "neu mit Etikett" filtern und kriegt dann ungetragene Ware.

[-] Bob@feddit.org 5 points 4 days ago

Es steht nicht zwischen 100% ethisch korrekt in 100% aller Kaufbeschlüsse, oder nie probieren ethisch zu konsumieren. Alle können es sich leisten mehr bewusst einzukaufen, und einige Produkte mit mehr ethischen Alternativen auszutauschen. Ich sehe es nicht als Statussymbol.

[-] Lumidaub@feddit.org 6 points 4 days ago

Und deine Frage an fragfeddit ist jetzt was genau?

Übrigens erwartet niemand, dass du perfekt ethisch konsumiert. Sei dir deiner Entscheidungen bewusst, schau was für dich möglich ist, das ist dann schon mehr als andere tun.

[-] kalrados12@feddit.org 2 points 4 days ago

Entschuldigung, ich habe irgendwie vergessen, eine klare Frage zu stellen. Ich habe den Text jetzt überarbeitet und am Ende eine Frage hinzugefügt. Entschuldigung nochmal.

[-] Lumidaub@feddit.org 4 points 4 days ago

Na da hab ich dir ja schon eine Antwort gegeben.

Wenn du Buttermilch kaufst, nimm vielleicht nicht unbedingt die von Müller, falls du Alternativen hast. Schau vielleicht auch mal kurz außerhalb von Amazon, ob es das Produkt auch woanders gibt. Es geht einfach nur um Bewusstsein. Vergiss deine Schuldgefühle, leb dein Leben, triff bewusste Entscheidungen. Nicht umsonst heißt es, im Kapitalismus ist ethischer Konsum unmöglich.

[-] Menschlicher_Fehler@feddit.org 5 points 4 days ago* (last edited 4 days ago)

Wenn man wenig Geld hat, ist „ethischer Konsum“ einfach nicht immer eine echte Option.

Ich halte es für mich so: Jeder nach den Möglichkeiten die er/sie hat. Ich werde von einer alleinerziehenden Mutter nicht verlangen ihre Kinder und sich selbst vegan zu ernähren und nur fair produzierte Kleidung aus Europa zu kaufen. Das ist schlicht nicht bezahlbar. Beim single ITler mit gutem Gehalt bin ich da etwas kritischer.

Womit ich nicht ganz einverstanden bin ist die "Ich kaufe ja bloß das, was andere produzieren" Einstellung. Wenn der Konsument es nicht kauft, wird es auch nicht produziert. Aber auch hier gilt natürlich, wer sich etwas faires/bio/vegan/EU oder was auch immer nicht leisten kann, den trifft keine Schuld. Im Gegenteil, er wird durch gesellschaftliche Umstände und aus wirtschatflichem Kalkül dazu gezwungen (oft) minderwertige und ungesündere Produkte zu konsumieren.

[-] kalrados12@feddit.org 4 points 4 days ago

Ich verstehe natürlich die wirtschaftliche Logik dahinter, aber ich glaube nicht, dass die Wirtschaft heute noch so direkt funktioniert nach dem Prinzip "Nachfrage schafft Angebot". Ich bin kein Ökonom, aber mir scheint, dass dieser Mechanismus vielleicht früher stärker funktioniert hat als heute.

Es gibt inzwischen sehr viele Produkte und Bedürfnisse, die nicht einfach aus einer natürlichen oder objektiven Nachfrage entstanden sind, sondern erst durch Marketing, Werbung, Trends und die Industrie selbst geschaffen oder verstärkt werden. In vielen Fällen wird das Angebot nicht nur von der Nachfrage bestimmt es beeinflusst und erzeugt die Nachfrage auch selbst.

[-] Menschlicher_Fehler@feddit.org 4 points 4 days ago* (last edited 4 days ago)

Es geht mir weniger darum, dass der Markt eine Nachfrage schafft, die eigentlich gar nicht vorhanden ist, sondern darum, dass man als mündiger Kunde auch einfach "Nein" sagen kann. Dir gefällt die Plastikflasche von Coke nicht? Kaufe sie nicht. Willst noch deine Meinung dazu loswerden? Schreib dem Support: "Warum kein Glas mehr?". Verzicht ist nochmal etwas ganz anderes, als sich das "Faire" Produkt nicht leisten zu können. Aktivismus für den kleinen Geldbeutel, sozusagen.

Jetzt müssten wir natürlich über die Wirkung von Werbung, Konsumverhalten in unserer Gesellschaft, sozialen Druck usw. reden. Aber ich glaube das sprengt den Rahmen deiner eigentlichen Frage.

[-] gandalf_der_13te@feddit.org 4 points 4 days ago

ach, weißt du, wenn du bei H&M ein tshirt für 5€ kaufst, bekommen die arbeiter:innen in bangladesch vielleicht 0,30€, der rest geht an material und gewinn.

wenn du jetzt aber ein tshirt für 10€ kaufst, bekommen die arbeiter:innen in bangladesch immer noch 0,30€, nur der unternehmensgewinn liegt höher ...

[-] Jonski23@feddit.org 1 points 3 days ago

Manchmal nervt mich auch an, dass ich selber so über meinen Konsum nachdenke. Was mich in meinen Entscheidungen bestärkt und mich nicht schlecht fühlen lässt, wenn ich mir mal "gönne" ist der Vergleich mit "wirklich problematischen" Konsumentscheidungen. Gibt Menschen, die kaufen sich neue Autos... Undso 😅 wie viele billo-t-shirts kann man mit einem auto wohl aufwiegen? Wirklich wohlhabende Menschen treffen Konsum-Entscheidungen, die alles von dir angesprochenen in den Schatten stellen... So seh ich das :)

[-] RetroHax@feddit.org 1 points 3 days ago

Ich fühle das leider sehr :(
Auch wenn ich sehr auf Etischen Konsum achte ist es was Kleidung und Elektronik angeht relativ schwer was das Geld angeht :(
Bei Elektronik ist es zum beispiel so das manche Platinen bzw. Mikro Kontroller Boards du in Asien halt billiger herbekommst und bei uns das 2 fache oder 3 fache leider zahlst :(
Und Klamotten sind eigentlich n eigenes Thema für sich wo glaub ich jeder n Liedchen von Trillern kann was Ethische Marken angeht :(

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