Da ich lebe, wo andere Urlaub machen, ist bei mir immer und nie Urlaub. Heute wird mich eine lange nicht gesehene Freundin auf der Durchreise besuchen, ansonsten sind die Tage alle heiß und staubig und trocken. Die schönste Zeit ist der Weg frühmorgens vor dem Sonnenaufgang zum Garten: meist hüpft der Kater mit und sorgt für Unterhaltung - er ist noch jung und kämpferisch. Ich trage meine alten Knochen eher gesetzt hinterher. Heute stehen die Esel und die Stute am Teich, da bleibe ich ein bisschen zum Streicheln. Die Quellen angeschaut: es tröpfelt noch, das Wasser reicht noch für ein paar Wochen, vielleicht schaffen wir es bis zum Herbstregen.
Im Garten bemüht sich das Gemüse, trotz Hitze zu wachsen. Ich lasse das Wasser durch die Kanäle plätschern und habe Zeit zum Kucken. Der Mais kommt schön: am liebsten möchte ich die Kolben schon auseinander nehmen, um zu sehen was drin ist, da ich zwei spannende Sorten gepflanzt habe. Aber ich warte lieber noch, bis er fertig ist. Die Kürbisse sind Sorgenkinder: so viele gesät, so wenige gewachsen. Bisher war es jedes Jahr so, aber egal, wie die funktioneren lerne ich auch noch. Tomaten: naja, aber es werden doch einige. Die Bohnen ein Rätsel: manche wachseln toll, manche kränkeln. Irgendwo ist immer eine Handvoll Koriander oder Dill, oder ein Radieschen. Eine einzige Melone, die ich wie meinen Augapfel hüte! Paprika und Auberginen, dass das Herz lacht.
Ich denke immer an meine Oma, wenn ich im Garten bin, die Anfang der 50er neben anderen Gründen auch deshalb nach Deutschland gekommen ist, um ihre Töchter in einer weniger frauenfeindlichen Umgebung aufwachsen zu lassen, die aber ihren jugoslawischen Garten ganz fürchterlich vermisst haben muss (sie hatte dann einen Garten im Ferienhaus). Meinen Garten genieße ich auch für sie mit und ich stelle mir gerne vor, wie sie über meine Gemüseexperimente wacht und sanft an den Paprikaschoten zieht, damit die länger werden.