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submitted 18 hours ago by GardenGeek@europe.pub to c/dach@feddit.org

Meinungen dazu?

Ich zitiere mal Danger Dan: ,,Faschisten hören niemals auf Faschisten zu sein, man diskutiert mit denen nicht hat die Geschichte gezeigt."

Krumbiegels Bemühungen um Dialog in allen Ehren, aber zum diskutieren, austauschen, ,,verstehen" gehören zwei Parteien. Und die mMn hat die andere Seite absolut kein Interesse eine Diskussion zu führen. Diejenigen, die auf der rechten Seite intelligent sind und Durchblick haben sind unehrlich und wollen keinen Diskurs weil er ihren Zielen schadet. Diejenigen die nicht mitdenken werden von ersteren systematisch gegen objektive Arguemente und Diskurs abgeschirmt indem dieser verächtlich gemacht wird: ,,Differenziert" wird dort abwertend verwendet.

Man kann über vieles reden und auf der persönlichen Ebene verstehe ich die Leute ja auch. Aber wenn jemand mit dem Argument ,,2+2 = 5" ins Feld zieht kann die Lösung nicht sein, dass wir uns auf ,,2+2 = 4,5" einigen. Das macht die Bundespolitik mit der Migrationsdebatte seit Jahren und das einizige was hängen bleibt ist ,,die rechten hatten ja recht, sonst wären die doch nicht auf die zugegangen."

Mit reden kommt man bei gefestigt rechtsextremen nicht weiter.

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[-] flops@feddit.org 3 points 11 hours ago

Verstehe was du meinst, halte aber deine drei Beispiele für Sanewashing.

MMn ist der große Faktor, der die Rechtsextremen sehr beliebt macht, nicht, dass sie bestimmte Meinungen abbilden, die andere nicht abbilden würden, dass sie also überzeugende Argumente hätten. Denn bei allen drei Beispielen muss man nur einen kleinen Blick ins Wahlprogramm wagen und minimale Vorstellungskraft und Vernunft besitzen, um zu wissen dass die "Lösungen" der Rechtsextremen die Probleme verschlimmern statt sie zu lösen.

Warum die "normalen" Parteien daran scheitern, AfD-Wähler zurückzugewinnen ist vielmehr, dass die AfD eben nicht mit Argumenten überzeugen will, sondern mit Emotion.

Stell dir AfD-Wähler als Menschen mit größen Abstiegsängsten, oft eisam und mit niedrigem Selbstwertgefühl vor. Und mindestens ersteres ist vollkommen berechtigt. Wenn du aber Angst hast, also in einer psychisch belastenden Situation bist, willst du gar nicht hören was jemand anders tun will um deine Situation zu bessern. Ähnlich wie du bei Beziehungsproblemen (wo es ja auch oft um Ängste und manchmal um Einsamkeit geht) in einem Gespräch mit deinem besten Freund/deiner besten Freundin gar nicht unbedingt hören willst, was die Person meint, was du tun solltest.

In einer psychischen Ausnahmesituation willst du zunächst hören, dass deine emotionale Reaktion richtig und verständlich ist, und dass du genau so, wie du bist, gut bist. Du willst verstanden werden. Du willst nicht allein sein.

Genau das bietet die AfD. Sie sagt (implizit oder explizit): "Ich verstehe deine Angst. Ich verstehe deine Wut, und deine Wut ist berechtigt und richtig!"

Außerdem bietet sie Gemeinschaft: "Ich bin auch wütend, komm, wir sind jetzt gemeinsam wütend!"

Und sie sagt den Leuten, sie seien gut so, wie sie sind: "Du bist deutsch/weiß/männlich/hetero? Das ist gut so, du bist gut wie du bist"

Wenn du diese Analyse davon, was den Kern der rechtsextremen Beliebtheit ausmacht, teilst, bedeutet das, das man schon mit Rechtsextremen reden kann und sollte, aber eben nicht wie mit allen anderen Leuten, die politisch andere Meinungen haben. Mit Faschisten streitet man nicht über Realpolitik. Noch weniger schließt man Kompromisse mit Leuten, die notorisch lügen (Wie schon jemand schrieb, wenn jemand behauptet 2+2=5 dann einigt man sich nicht auf 4,5).

Man muss zunächst emotional Verständnis aufbringen, eine Gemeinschaft bei einem konkreten Thema aufbauen und darauf dann weiter aufbauen. Das macht Die Linke teilweise mit Haustürgesprächen. Da war ich mal dabei, das funktioniert, ist aber extrem anstrengend.

ZB eine Person die die Tür aufmacht und einem direkt sagt "Ich wähl keine Altparteien, für mich gibt es nur noch die AfD" Da sagte die andere Person dann "Alles klar. Ich würde von ihnen aber gerne wissen, welches Thema sie konkret beschäftigt. Also was würden sie zum Beispiel als erstes machen, wenn sue selbst in der Bundesregierung wären?" Die Person erklärte dann, dass sie selbst 20 Jahre lang hart gearbeitet hatte, nun wegen Outsourcing den Job verloren hatte und keine Perspektive hat und seit mehreren Jahren von Bürgergeld lebte und sich kaum noch was leisten könne. Das gipfelte dann in einem "Das kriminelle Gesocks kriegt alles in den Hintern geschoben, die müssten alle raus" Die Person von der Linken meinte erstmal dass sie die Wut versteht, wenn man den Job so verliert. Und dann fragte sie "Wer war denn verantwortlich dafür?" Die Antwort war natürlich das Management der Firma, weil Produktion woanders billiger ist. Und da hatte man dann sofort gemerkt wie sich was geändert hat. Plötzlich war der "Hauptfeind" nicht mehr der Flüchtling sondern die gierige Vorstandsebene. Dann hat man gemeinsam (!) gegen die Gier und den Kapitalismus gerantet. Und natürlich die Leistung der Arbeiter*Innen gewürdigt, um auch zu sagen "Du bist gut, wie du bist" und eine Gemeinschaft zu haben, aber halt eine Klassengemeinschaft statt eine nationale.

Am Ende fragte die Linken-Person noch, ob die Person glaubte, das Management hätte die Firma in Deutschland gelassen, wenn es weniger Ausländer hier gäbe. Und die Person sagte "Nein, das hat doch überhaupt nichts miteinander zu tun!"

Das war kein Gespräch wie mit einem politischen Konkurrenten wo es um die bessere Lösung für ein Problem ging. Das hatte mehr mit einer Therapiesitzung zu tun. Aber es hat gewirkt, die Person hat versprochen, die Linke zu wählen.

Und so ist mMn die einzig sinnvolle Art, mit AfD-Wähkern zu reden.

[-] it_depends_man@lemmy.world 2 points 8 hours ago

In einer psychischen Ausnahmesituation willst du zunächst hören, dass deine emotionale Reaktion richtig und verständlich ist, und dass du genau so, wie du bist, gut bist. Du willst verstanden werden. Du willst nicht allein sein.

Genau, aber warum können das andere Parteien nicht tun oder warum sollen sie es nicht tun können?

Noch weniger schließt man Kompromisse mit Leuten, die notorisch lügen

Ja, ne, also ich will das der Vorschlag der kommt das Thema adressiert, aber halt ohne auf die AfD Position zu zu gehen.

Wenn der AfDler sagt "Die Ausländer nehmen uns die Jobs weg" sagt, dann muss die Antwort sein das wir neue Arbeitsplätze schaffen, oder das die Bedrohung sonst irgendwie abgefangen wird. Aber auch das wird Aufwand sein. Der Kompromiss liegt darin das wir uns die Arbeit machen müssen diese Aktionen zu machen, auch wenn wir sie sonst nicht machen würden. Zwischen "alle müssen abgeschoben werden" und "niemand darf abgeschoben werden" gibt es keinen Kompromiss und da darf auch nichts aufgegeben werden.

Das war kein Gespräch wie mit einem politischen Konkurrenten wo es um die bessere Lösung für ein Problem ging. Das hatte mehr mit einer Therapiesitzung zu tun.

Ja. Genau richtig so. Aber es ist eben nicht möglich zeitgleich diese Art von Therapie zu machen UND das bisherige Unterstützungsnetzwerk in Form der Partei anzugreifen und verbieten zu wollen. Ich wär da jedenfalls bockig und würde dann erst recht dabei bleiben.

Sanewashing

Ja vielleicht...

Warum die “normalen” Parteien daran scheitern, AfD-Wähler zurückzugewinnen ist vielmehr, dass die AfD eben nicht mit Argumenten überzeugen will, sondern mit Emotion.

Also, die "normalen" Parteien haben eigentlich keine Argumente und haben es mit Argumenten und Dikussionen seit Jahrzehnte nicht versucht. Die Wahlprogramme sind der letzte Dreck, unverbindlich und utopisch, im Koalitionsvertrag steht dann wieder was anderes und die SPD führt gerade schon wieder vor das sie sich auch noch nicht mal daran halten.

Auch was du beschrieben hast war viel besser argumentiert als es die Wahlprogramme sind. Das war fast gar nicht emotional, es wurde da nur gezeigt wie empathie und ein bisschen Intelligenz dazu führen das man emotionalen Argumenten eben doch was rationales entgegenbringen kann. Man darf denen halt nur nicht das "total rationale" Wahlprogramm an den Kopf werfen und dann sagen wenn die das nicht lesen oder nicht verstehen, ist das deren Schuld.

this post was submitted on 07 Aug 2026
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