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„Keine Zombies“: Wie Krumbiegel AfD-Wähler verstehen will
(www.rollingstone.de)
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Ich verstehe grundsätzlich was du meinst und, ohne jetzt auf die Details die du genannt hast einzugehen, sehe ich folgendes Problem:
Vieles von dem was du ansprichst sind Probleme die auf der wachsenden Ungleichheit in diesem Land basieren. Konzerne verlegen ihren europäischen Geschäftssitz nach Luxembourg (auch die viel gerühmten ,,deutschen Familienunternehmen") und wer als Privatperson reich genug ist wandert in die Schweiz aus. Zusätzlich wurden Vermögens- und Spitzensteuersatz (für die die ttatsächlich blöd genug sind sie zahlen zu müssen) seit JAhrzehnten abgesenkt/ abgeschafft. Das schichtet die Kosten unserer Solidarsysteme immer weiter von oben nach unten um (an dieser Stelle bitte die Phrase ,,höchste Steuern und Abgaben weltweit" einfügen). Der daraus resultierende Unmut wird nun, mittels der Sockenpuppe AfD, von den Zechprellern gegen das System gewandt. Die AfD fordert ja nicht ,,,faire Lastenverteilung" (also dein Argument ,,wir sind uns einig, das Solidarsysteme gut sind") sondern propagiert ,,Steuern sind Diebstahl". Das fügt sich gut ins ideoligische Gebäude des Faschismus ein: Man will keine Gegensätze nivelieren oder Gerechtigkeit herstellen, im Gegenteil: Gegensätze sollen verstärkt werden und die resultierende Wut und Energie in ,,große nationale Projekte" (das letzte mal einen Weltkrieg für ,,Lebensraum") fließen.
Wir sind jetzt in einer Siutation in der 80 % der Parteien, allen voran die AfD, einen Teufel tun wird die Ungerechtigkeit in diesem Land zu bekämpfen. Im Gegenteil, versuche das zu tun werden, gerade von der AfD, als Angriffe auf die persönliche Freiheit geframed.
Alls das ist bekannt, teilweise seit langem... und jetzt Frage ich: Wozu weiter reden?
Die Probleme sind bekannt, die Mehrheit der Gesellschaft hat offendichtlich kein Interesse daran sie zu lösen oder, schlimmer noch, wählt aktiv Parteien die sie laut Wahlrprogramm noch weiter verschlimmern wollen. Es fehlt der politische Wille etwas an der Situation der AfD-Anhänger zu ändern, nicht an situativem Verständnis.
Genau.
Ja, die extreme AfD Spitze tut das. Das meine ich mit gegenseitigem Framing.
Die AfD stellt es als absolut böse hin, und auf der anderen Seite gibt es eine Wählerdemographiegruppe deren Allerheiligstes es ist das die Rente nicht sinkt, egal wieviel Steuern das kostet oder wer es bezahlt.
Sozialsystem gut -> aber "die falschen" profitieren davon -> mit "meinen" Steuern -> Steuern sind DiebstahlDie Menschen in der AfD stellen sich ja nicht mit der fertig formulierten Meinung "Steuern sind Diebstahl" hin und suchen sich die passende Partei.
Im Zweifel gibt es da sicher auch eine Menge von "neo-con / neo-lib / FDP / Marktmenschen" die sowieso immer ALLE Steuern als Diebstahl ansehen, aber das sind auch nicht alle. Wir wissen eben genau nicht, wo welche internen Grenzen verlaufen.
Weil die genaue Ausgestaltung der Lösung weiterhin nicht geklärt ist, oder nicht wählbar ist.
Und es geht NICHT darum, das man direkt mit dem Handwerker redet, der schon die einigermaßen gefestigte Meinung hat und die Argumentationskette der AfD wiederholt. Oder jedenfalls muss man mit diesen Menschen nicht lange reden, die Denkweise ist relativ offensichtlich.
Sondern es sollte einen Prozess geben wo aktiv und transparent die Denkweise und Argumente analysiert werden, auf die Ursachen Gegenvorschläge entwickelt werden und man dann mit diesen Gegenvorschlägen wieder auf die AfD Wähler zugeht und fragt ob die Analyse stimmt und ob der Gegenvorschlag ok ist.
Anderes Beispiel CO2 Steuern und Zertifikathandel und Klimageld. Wir kennen das Problem, aber ein "fick die Wirtschaft, 100000% CO2 Steuern hoch" ist für mich nicht wählbar. Machen auch die Grünen nicht. Ich finds ok wenn es eine Minderheitenmeinung ist und die demokratisch überstimmt wird, aber der Prozess dieser Meinungsfindung ist intransparent und repräsentiert mich nicht. Wir brauchen weiterhin das Forum um diese Meinungen auszutauschen damit meine Meinung vielleicht auch vertreten werden kann. Übertragen gilt das gleiche für "AfD Themen".
Und ich glaube genau hier liegt die Fehlannahme in deiner Argumentation.
Grundsätzlich verstehe ich was du meinst. Meine Beobachtung ist jetzt leider folgende:
Du kannst mit einem ,,Mitläufer" einen Abend und zahlreiche Biere lang über seine Sorgen reden. Du kannst ihm zuhören, ihr könnt euch einander darüber annähern wer unsere Gesellschaft grade zerstört... am Ende kommt ihr vielleicht sogar auf den Konsens, das Solidarität keine Einbahnstraße ist und das sowohl der Sozialhilfeempfänger, der nocht arbeiten will als auch der Milliardär der keine Steuern zahlt gesamtgesellschaftlich ein Problem sind, vielleicht werdet ihr euch sogar einig wer uns mehr Geld kostet.
Dann geht ihr beide nach Hause, er zieht sich die nächsten emotional aufgelandenen TikToks rein... und das ganze Gespräch war für die Katz.
Es mag sein, dass die Mehrheit der AfD Wähler nicht aus Überzeugung handelt. Aber das Problem ist, dass die AfD Führung und insgesamt die rechte dank Kapitalismus mit einer enormen PR- und Propagandamschine ausgestattet ist, das wird mit KI auch aktuell noch schlimmer.
Hinzu kommt, das ein solch prodkutives Gespräch wie du es oben beschreibst, voraussetzt, das man überhaupt einen Kompromiss zur Lösung seiner Probleme akzeptiert. Genau daran mangelt ist in der nachgeplapperten AfD-Linie mMn auch schon. Um bei deinem Beispiel zu bleiben: ,,1000000% CO2 Steuer" ist die Forderung die durchgesetzt werden MUSS, alles andere ist links-grün-versifft. Ein Kompromiss auf 10 % Co2-Steuer ist schon Verrat am Bürger. Anders gesagt: Mit einem gefestigten ideologischen Weltbild (das im Falle von Klimawandelleugnung, EU-Austritt etc. auch einfach sachlich falsch ist) das Kompromisse als Lösung nicht akzeptiert kannst man schwer Kompromisse finden. Zumal die ,,AfD-Führung" den Torpfosten verschiebt sobald man auf sie zugeht, da die Leute ja empört bleiben müssen damit das ganze Konstrukt funktioniert.
Ich hab auch an sich nichts dagegen mir kontroverse Meinungen anzuhören, aber wenn jemand von mir erwartet, das ich seine faktenfreie, emotional begründete Meinung als gleichwertig mit rationalen Argumenten akzeptiere habe damit ein Problem... nicht weil ich nicht empathisch verstehe wie die Meinung zustande kommt, sonder weil wir in der rationalen, objektiven Welt damit schlechte Ergebnisse einfahren und das Problem das ihn zu dieser Meinung bewogen hat nicht gelöst wird.
Ja, das wäre aber die fanatische Haltung von der ich nicht ausgehe.
Von der wir (imo) nicht ausgehen dürfen, weil wenn es tatsächlich Stand ist das wir knapp 30% nicht reformierbare fanatische Faschisten haben, brauchen wir kein AfD Verbot, sondern wir müssen einen Bürgerkrieg führen und gewinnen. Das will ich eigentlich nicht.
Ne, das ist genau die Falle in die wir nicht tappen dürfen. Ich möchte das wir ungefähr das machen was ich gemacht hab:
Das ist das Ausmaß was man da tun kann und was imo aktuell nicht versucht wird.
Tatsächlich mit bereits "eingefangenen" AfD Wählern lange Diskussionen zu führen ist Unsinn, das führt zu nichts, besonders weil man als Einzelperson keine Lösung anbieten kann. Das kann nur ein Wahlprogramm. Da muss das gesichert und plausibel drin stehen.