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this post was submitted on 04 May 2026
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DACH - Deutschsprachige Community für Deutschland, Österreich, Schweiz
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founded 2 years ago
MODERATORS
Ah, dazu habe ich einen seit langem erarbeiteten Take! Unter allen Kommunikationsmethoden ist das Telefonat nämlich Jenes, welches das Schlimmste aus allen Welten vereint:
Es gibt das persönliche Gespräch mit den Vorteilen, dass ich die Mimik und Gestik des Gegenübers habe und so besser "den Raum lesen" kann. Der Nachteil ist in der Regel, dass solche Gespräche sehr zeitkritisch sind, ich muss also auf jeden Satz meines Gegenübers möglichst sofort reagieren und kann nicht wie ein guter Skeptizist erstmal über das Gesagte nachdenken.
Bei Emails und anderen Textnachrichten ist es umgekehrt: Die Feinheiten des Vis-à-vis sind hier nicht gegeben, dafür kann ich die Sätze des Gegenübers beliebig oft nachlesen und ich kann mir (theoretisch) beliebig viel Zeit nehmen, um eine gebündelte und wohlformulierte Antwort zu eroverthinken, bis mein Asperger-Scumbagbrain auch den letzten Zweifel über mögliche Missverständnisse in meinen Worten aus dem Weg geräumt hat.
Doch das Telefonat hat keines dieser Vorteile und dabei beide Nachteile gleichzeitig: Weder sehe ich mein Gegenüber, um mir ein Bild seiner Mimik zu machen, noch habe ich die Zeit, um mir meine Antworten wohl zu überlegen. Deshalb muss das Telefonieren auch mindestens so stressig sein wie jede andere Kommunikationsform, die einem subjektiv am wenigsten liegt. Ich sage nicht, dass ich das nicht hinkriege, aber bezüglich aller verbalen Aspekte kann ich mir keine Situation vorstellen, wo das Telefonieren gegenüber allen anderen Formen irgendwie überlegen sein kann.
Was noch hinzukommt: Den Kommunikationspartner akustisch zu verstehen ist gerne mal schwierig, wenn das Mikrofon schlecht ist/Störgeräusche aufnimmt.
Mitnichten! Die Sprachnachricht is bei weitem schlimmer als ein Telefonat. Sie vereint die negativen Aspekte von Telefonat mit den negativen Aspekten von Textnachrichten/Asynchroner Kommunikation. Wo bei einem Telefonat ein sofortiger, beidseitiger Informationsaustauch erfolgt, bei dem Rückfragen oder Themenwechsel, sowie unterbrechungen von irrelevanten Redeflüssen möglich sind, ist bleibt bei der Sprachnachricht dem Empfänger nichts anderes übrig, als die ganzen "Humh" und "Hähs" und wirren Gedankengänge mitzuhören, bevor irgendetwas relevantes gesagt wird. Als versender bleibt eine sofortige antwort aus. Zudem müssen zum anhören einer Sprachnachricht dieselben äußerlichen Umstände gegeben sein, wie für ein Telefonat (nicht zu laut).
Und dort, wo bei einer Textnachricht - selbst bei einer langen - nach einamligem lesen Daten und Uhrzeiten schnell wieder erfasst werden können, oder die gesamten Informationen in wenigen Augenblicken aufgenommen werden können (kommt auf die Länge der Nachricht an), muss bei einer Sprachnachricht zwischen Stille und Füllwörtern erst der Inhalt gefunden werden.
Stimmt schon, die Sprachnachricht ist nochmal eine ganz eigene Abart; man sollte sie eigentlich gar nicht als Kommunikationsform bezeichnen, sondern bestenfalls als Zumutung.
Telefonieren ist besser als chatten