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Kultursamstag 2026 KW11
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Fahrenheit 451 von Ray Bradbury stand schon lange auf meiner Liste. Jetzt habe ich es endlich gelesen. Allerdings hatte ich vielleicht zu hohe Erwartungen, denn am Ende war ich enttäuscht.
Zunächst das Positive: Bradbury war in Bezug auf die technologische Entwicklung der Unterhaltungsmedien durchaus prophetisch. TikTok hätte ihn sicher umgehauen. Was er jedoch nicht voraussehen konnte, ist, dass das Internet und Social Media uns zu aktiven Teilnehmern machen, die eher überfordert als eingeschläfert werden. War aber auch schwer zu sehen damals. Auch finde ich seine Sprache toll, die voller schöner Metaphern und poetischer Beschreibungen ist.
Nun zur Kritik: Bradbury kommt mir in seiner Haltung extrem konservativ vor, ein alter Mann, der Angst vor der neuen Technik hat. Er erkennt nicht, dass auch das Fernsehen oder Audiomedien tiefgründige Botschaften transportieren können. Die Bücher, die er als Schatz des Wissens hochstilisiert, sind allesamt Klassiker weißer Männer aus der Vergangenheit, die zu seiner Zeit alles andere als radikal waren. Besonders befremdlich ist für mich sein Fokus auf die Bibel als Quelle transformativen Wissens. Frauen sind hier Zombies, die sich den ganzen Tag beschallen lassen, oder naiv fragende Kinder. Auch die Darstellung der Bevölkerung, die nicht liest, als unmündige Schafe, die am Ende wegen ihrer Blindheit im nuklearen Holocaust untergehen, und denen der Protagonist und seine Harvard-Jungs-Truppe keine Träne nachweinen, offenbart eine zutiefst elitäre Sichtweise auf das Thema. Ein Klassenbewusstsein oder eine strukturelle Analyse der Machtverhältnisse und Mechanismen, die sie versklaven, sind nicht vorhanden. Stattdessen sind sie selbst schuld an ihrer Ausbeutung, da sie ja nicht mehr lesen oder denken wollten. Ihr Tod wird nicht als schreckliches Verbrechen, sondern als Neuanfang gesehen, der ein neues, von den erleuchteten Lesern geprägtes Zeitalter des Wissens einleitet.
Auf mich hat der Roman auch sehr angestaubt gewirkt. Interessanterweise ist er nach Schöne neue Welt und 1984 erschienen.
Fahrenheit 451: 1953
Schöne neue Welt: 1932
1984: 1949
Ich dachte immer, es läge an der deutschen Übersetzung.
Ich habe es auf Englisch gelesen, daran kann es also in meinem Fall nicht gelegen haben…
Danke für die Einordnung. Ich habe auch noch vor dieses Buch zu lesen, da man ja doch immer wieder Referenzen hört und dieses Buch auch eine ordentliche Reichweite hat. Da ist es gut, wenn die Erwartungshaltung etwas niedriger gepackt wird, denn all deine Kritikpunkte werden mir vermutlich auch sauer aufstoßen.
Ich kann trotzdem empfehlen es zu lesen, sind schon auch gute Seiten daran. Die Entfremdung die der Hauptcharacter fühlt ist zB sehr gut beschrieben.
Gegen einige meiner Kritiken sind im Text auch Argumente eingebaut, aber meistens leider nicht konsequent genug umgesetzt. Eine Figur sagt z.B. mal irgendwann, dass nicht nur Bücher die Funktion von Wissensvermittlung und Denkanstößen liefern können, sondern auch andere Medien. Das ist aber halt ein Satz, in einem Buch was sonst alles tut um das Gegenteil zu behaupten. Genauso sagen die Harvard-Brüder, dass sie als Individuum nicht wichtig oder besonders sind, aber sie sind gleichzeitig davon überzeugt dass sie der Menschheit die Flamme des Wissens zurückgeben können, als wären sie lauter kleine Prometheuse.