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SYNOPTISCHE ÜBERSICHT KURZFRIST

ausgegeben am Mittwoch, den 24.06.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen: GWL: HM (Hoch Mitteleuropa)

Außergewöhnliche, fast historische (für den Frühsommer) Hitzewelle mit wahrscheinlichen 40°C. Höhepunkt voraussichtlich Freitag/Samstag.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC

Mittwoch...

steht uns nach einem “entspannten” Dienstag - von Norden betrachtet hatte es die 30°C-Isotherme bis in die Mitte geschafft und einige Wolkenfelder konnten auch willkommen geheißen werden - der nächste fette Hitzetag ins Haus. Wobei, was heißt hier fett, geht doch alles noch gemessen an dem, was uns in den nächsten Tagen noch so blüht. Deshalb hier ein kleiner praktischer Tipp an all diejenigen, die unter der Hitze leiden und sich sehnlichst Abkühlung wünschen: An dieser Stelle aufhören zu lesen und sich am Mittag die Synoptische Übersicht Mittelfrist zu Gemüte führen. Da allerdings auch den ersten Teil (Wochenende) weglassen. Danach wird´s ein Bestseller.

Kommen wir zur Lage der Nation, die auch den heutigen Tag unter dem Nordostquadranten eines wuchtigen (im Zentrum taucht im Tagesverlauf eine 592-gpdam-Isohypse auf) und stationären Potenzialrückens über West- und Mitteleuropa verbringt. Wenn man so will, hat das großräumige Strömungsmuster etwas von einem leicht geplätteten Omega. Omega deswegen, weil der Rücken von einem Cut-Off-Tief westlich der Iberischen Halbinsel sowie einem Trog über dem nahen Osteuropa flankiert wird. Geplättet deswegen, weil er keine überbordend nach Norden weisende Amplitude aufweist. Ist schlussendlich aber alles Makulatur. Was zählt, ist - passend zur WM -, was auf dem Spielfeld passiert und da heißt die Losung ganz klar Absinken und Einstrahlung satt.

Weiter mit am Start ist Kollege HARTMUT, von Beruf Hochdruckgebiet, mit rund 1020 hPa in der Spitze gar nicht mal so hoch dekoriert, aber wie auch bei dieser Hitze. Mittlerweile hat sich HARTMUT ordentlich breitgemacht, erstreckt er sich doch von UK/Irland bis hinüber zum Schwarzen Meer plus breiten Keil in Richtung Golf von Sirte. Die bei uns lagernde Luftmasse trägt weiterhin tropische Züge (xT) mit 850-hPa-Temperaturen, die heute Abend von 14°C in Vorpommern bis 22°C im Südwesten reichen. Damit liegt der fühlbare Anteil der Luftmasse auf ähnlichem Niveau wie an den vergangenen Tagen. Was sich geändert hat, ist der Wasserdampfgehalt. Egal, welchen Marker man nimmt (Taupunkt, pseudopotenzielle Temperatur, PPW etc.), es ist trockener geworden. Damit ist die Gewitterwahrscheinlichkeit nochmal geringer als gestern, wo es im Süden ja noch ein paar Exemplare geschafft haben, in die Lüfte zu steigen. Zwar ist die Luft dort auch heute noch labil und es wird auch ausreichend CAPE generiert. Die trockene Grundschicht nebst einer bei 600 hPa eingezogenen Sperrschicht dürften aber ausreichen, sämtliche Bemühungen, elektrische Überentwicklungen zu erzeugen, im Zaum zu halten. Nur mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit reicht es im äußersten Süden sowie im Bayerischen Wald für ein orografisches Gewitter der Marke markant (SR, Hagel, Böen bis 8 Bft).

Ansonsten bliebe “nur” noch zu konstatieren, dass heute verbreitet die Sonne scheint, gnadenlos und meist am astronomischen Limit. Nur ganz im Norden schaffen es ein paar wenige Wolken, von der Deutschen Bucht her das küstennahe Binnenland zu streifen. Thermisch geht´s wieder in die Vollen mit verbreitet 30 bis 35, in der Südwesthälfte 33 bis 38°C, wobei die Spitzen an Rhein, Mosel und Saar sowie deren Nebenflüssen erwartet werden. Lediglich ganz oben im Norden sowie an den Küsten wird es nicht ganz so heiß, was auch daran liegt, dass der anfänglich überwiegend aus Süd-Südost kommende Wind zum Nachmittag mehr und mehr auf West bis Nord dreht.

In der Nacht zum Donnerstag ändert sich nicht viel an der Lage. Am auffälligsten dürfte noch der Untergang der Sonne sein sowie ein Band tiefer Bewölkung, dass mit der o.e. Winddrehung von der Nordsee ins nördlichste Binnenland Norddeutschlands gesteuert wird. Im größten Teil des Landes verläuft die Nacht klar, was aber mitnichten bedeutet, dass es auch vernünftig abkühlt. Klar geht die Temperatur zurück, aber nicht so weit, wie es die meisten von uns gerne hätten. Häufig wird die 20°C-Marke nicht unterschritten, in einigen Ballungszentren West- und Südwestdeutschlands sowie in mittleren Lagen sind sogar Minima von 23 oder 24°C möglich. Am besten klappt es mit der Abkühlung nach Südosten hin sowie in den Mulden und Senken der östlichen Mittelgebirge, wo punktuell sogar 15°C unterschritten werden.

Donnerstag...

bleibt der Rücken Trumpf, wobei seine Hauptachse geringfügig ostwärts wandert. Damit verlagert sich auch das korrespondierende Bodenhoch etwas nach Osten. Das Zentrum mit etwas über 1020 hPa verbleibt aber über der Nordsee. Mit der leichten Progression verschiebt sich auch die west-südwesteuropäische Hitzeblase etwas nach Osten, was bei uns einen leichten Anstieg der 850-hPa-Temperatur auf 17 bis 23°C zur Folge hat. Und das auf einer geopotenziellen Höhe von rund 156 gpdam, also recht hoch, was wichtig für die Projektion der Temperatur auf irdisches 2m-Niveau ist. So macht die 2m-Temperatur morgen einen weiteren Satz nach oben, heißt, die 35°C-Isotherme rückt vor bis etwa einer gebogenen Linie Münsterland-Eichsfeld-Berlin (MOS). 39°C können an den Flussläufen und tiefen Lagen Südwestdeutschlands mit Überadiabate als sehr wahrscheinlich, 40°C als nicht ausgeschlossen angesehen werden. MOS jedenfalls offeriert in der Kurpfalz die “40”, während die DMOs noch etwas zurückhaltender agieren. Sollten die 40°C tatsächlich erreicht werden, wäre damit der Junirekord aus dem Jahr 2019 (Bernburg/Saale 39,6°C, 30.06.) Geschichte. Wohl dem, der im äußersten Norden weilt, wo mit nördlichen Winden weniger heiße Luft advehiert wird, direkt an der See sogar unter 25°C.

Bleibe nur noch fstzuhalten, dass die Sonne wieder bis zum Anschlag scheint. Im Norden und Nordosten bis zur Mitte zeitweise garniert von einigen Cu hum, die sich aus der labilen Grundschicht lösen, über 800 hPa (Inversion) aber nicht hinauskommen. Apropos Labilität, die auch sonst morgen durchaus vorhanden ist. Inzwischen - nicht zuletzt auch wegen auf der auf Ost drehenden Winde - ist die Luftmasse aber gerade im Süden soweit abgetrocknet, dass kaum CAPE vorhanden ist und in Sachen Konvektion nichts geht. Am feuchtesten ist die Luft im Nordwesten, wo tatsächlich nicht unerheblich CAPE generiert wird, was aufgrund der starken Deckelung aber gänzlich verschenkt ist.

Die Nacht zum Freitag bringt nicht viel Neues, zumindest nicht wetterlagentechnisch. Abermals steht verbreitet eine Tropennacht auf der Karte, vor allem im mittleren und südlichen Drittel des Landes (nach Südosten hin aber etwas abgemildert). Möglich, dass lokal sogar 25°C nicht unterschritten werden, was nicht schön, aber rekordverdächtig ist. Aber schlimmer geht immer, wie die für kommende Nacht in Paris apostrophierten 30°C Minimum zeigen - Wahnsinn! Besser sieht´s im norddeutschen Binnenland aus, wo 17 bis 13°C auf dem Zettel stehen.

Freitag...

spitzt sich die Lage weiter zu. Progression der Potenzial- und Temperaturwelle setzen sich fort, auch wenn die Schritte klein sind. Es reicht, um den Rücken genau über dem Vorhersageraum zu platzieren und T850 auf 20 bis 24°C hochzujagen. Damit müssen wir uns bei voller Einstrahlung auf verbreitet 35 bis 40°C einstellen, wobei nicht auszuschließen ist, dass irgendwo zwischen Untermain, Rhein-Main-Gebiet und Rhein-Neckar-Raum oder auch weiter westlich/südlich davon sogar 41°C aufleuchten. Sollte das tatsächlich klappen, und die Vorzeichen stehen gut, wären wir nicht allzu weit entfernt vom deutschen Allzeitrekord vom 25.07.2019, wo in Tönisvorst und Duisburg-Baerl satte 41,2°C gemessen wurden. Wer weiß, wer weiß... Fakt ist, dass selbst an den meisten Küstenabschnitten bzw. auf den Inseln 30°C und mehr erreicht werden, weil der Wind aus Ost bis Südost und somit überwiegend ablandig weht. Einzig an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste kommt er kühlend von der See.

Das Thema Konvektion dürfte am Freitag noch klein gehalten werden. Zwar beginnt von Westen her der Luftdruck zu fallen (=> Rinne). Labil ist die Luft auch - gerade bis 700 hPa hinauf sind die Lapse Rates extrem steil - und gerade im Westen und Nordwesten wird sie immer feuchter. Schaut man sich daraufhin allerdings die Prognoseaufstiege an, erkennt man, dass gerade die Grundschicht, aber auch die Mitteltroposphäre doch noch ganz schön trocken sind und ein nicht unerhebliches Maß an CIN vorhanden ist. Und genau das zu überwinden, wird nur schwer möglich sein, weil dynamisch weiterhin wenig bis nichts geht. Selbst wenn die Rückenachse durch ist und die Höhenströmung auf Südwest rückdreht, ist diese doch noch weitgehend antizyklonal konturiert. Und ob das Bergland schon in der Lage ist, den Deckel zu sprengen, ist fraglich. Auf alle Fälle werden die Bedingungen für (teils schwere) Gewitter am Wochenende besser.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren sehr ähnlich. Im Grunde konzentriert sich alles auf die Fragen, wie heiß wird es genau (aufs Zehntel), schaffen wir den Monats- oder sogar den Allzeitrekord? Die Voraussetzungen dafür stehen nicht schlecht, auch wenn die extremen Bedingungen aus dem benachbarten Frankreich mit bis zu 45°C nicht 1:1 auf unseren Raum übertragbar sind. Eine über weite Strecken trockene und heiße Vorgeschichte mit hochliegenden Potenzialflächen (=> großer Abstand zwischen 850 hPa und Boden + Überadiabate), dazu die entsprechende Luftmasse mit hochreichender Grundschicht, Sonnenhöchststand - es passt Vieles. Zünglein an der Waage, wenn´s um die letzten Zehntel geht, könnte der Saharastaub werden, der nach den Prognosen den Weg zu uns finden soll respektive das partiell schon getan hat (Westen/Nordwesten). Allerdings werden Konzentration und optische Dicke nicht allzu hoch gerechnet, so dass sich der dämpfende Impact in Grenzen halten dürfte. Es wird auf alle Fälle spannend.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach

Dipl. Met. Jens Hoffmann

2

SYNOPTISCHE ÜBERSICHT KURZFRIST

ausgegeben am Montag, den 22.06.2026 um 18 UTC

SCHLAGZEILE: Am Dienstag in der Südwesthälfte Fortdauer der Hitzewelle. Im Süden nochmals einzelne kräftige Gewitter.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC

Aktuell ...

sind in Süddeutschland noch ein paar kräftige Gewitter unterwegs, die sich in der heißen, tropisch anmutenden Mittelmeerluft (xT) entwickelt haben. Insgesamt spielt sich die ganze Aktivität aber in einem überschaubaren Rahmen ab. Zwar weist die Luftmasse noch immer einen hohen Energiegehalt auf mit Labilität und auch einem hohen latenten Anteil (Wasserdampf). Trotzdem macht sich langsam aber sicher bemerkbar, dass in den Norden und Nordosten trockenen, stabilere und auch weniger warme/heiße Luft eingeflossen respektive eingesickert ist, die sich nun via Entrainment langsam weiter nach Süden ausbreitet. Hinzu kommt die großräumige Strömungskonstellation, die ziemlich antizyklonal konturiert ist. So befinden wir uns am nordöstlichen Rand eines Potenzialrückens unterhalb einer schwachen west-nordwestlichen Höhenströmung, von der keinerlei dynamische Hebungsimpulse ausgehen. Bodennah gibt HARTMUT den Takt vor, ein Hoch mit Zentrum über der Nordsee, welches den o.e. Entrainmentprozess weiter forciert.

Vor diesem Hintergrund und der Tatsache, dass die nächste, wenn auch nur kurze Nacht bevorsteht, überrascht es nur wenig, dass die konvektive Aktivität recht zügig in die Knie gehen soll. Und anders als in den meisten Nächten zuvor spricht in dieser Nacht wenig bis nichts dafür, dass irgendwo noch mal was hochschießt oder aus der Nachbarschaft eingeschleust wird, auch wenn man nie ganz sicher sein kann. Meist präsentieren sich die nächsten Stunden gering bewölkt oder klar, im Norden und der Mitte bildet sich gebietsweise Stratus oder Stratocumulus. Gänzlich ungerecht geht es bei den Tiefsttemperaturen zu. Während im Südwesten vielerorts die nächste Tropennacht bevorsteht (z.T. nicht unter 22/23°C), darf man sich hoch im Norden abseits des unmittelbaren Küstensaums stellenweise auf einstellige Tiefstwerte freuen.

Dienstag ...

beginnt sich der Rücken in seinem Westteil zu kräftigen, was in einer abgeschlossenen 592-gpdam-Isohypse über Westfrankreich sowie in einer Ausweitung der Amplitude in Richtung Nordsee bzw. UK/Irland mündet. Für uns bedeutet das ein leichtes Rechtdrehen der weiterhin eher schwach ausgeprägten nordwestlichen Höhenwinde. Die schleusen sogar einen flachen Sekundärtrog über den Norden und Osten hinweg südostwärts, was aber gänzlich ohne Wirkung bleibt - nicht verwunderlich angesichts der dort lagernden stabilen und trockenen Luftmasse. Hinzu kommt, dass Nordseehoch HARTMUT unter leichtem Substanzverlust auf unter 1025 hPa onshore geht, um weite Teile des zentralen Mitteleuropas abzudecken. Mit der Folge, dass auch die Warm- bzw. Heißluft bei uns einiges von ihrem high-energy-label einbüßt, insbesondere auf der latenten Seite (Wasserdampf). Trotzdem steht noch immer ausreichend CAPE zur Verfügung, um im Süden mit Hilfe der Orografie ein paar pulsierende Einzelzellen zu generieren. Diese erfüllen in der Basis markante Anforderungen wie Starkregen > 15 l/m² innert kurzer Zeit, kleinem Hagel sowie Böen 7-8 Bft. Gleichwohl lassen sich vereinzelte Unwetter durch SR > 25 l/m² oder größeren Hagel bis 3 cm (gerade im Anfangsstadium, wenn die “Dinger” wie Raketen nach oben schießen) nicht ausschließen.

Weiterhin in den Schlagzeilen bleibt die Hitze in der Südwesthälfte, wo erneut 30 bis 35°C, an Hoch- und Oberrhein bis hinüber ins Saarland auch etwas über 35°C auf der Karte stehen. Ansonsten liegt die Range zwischen 24 und 30°C, an den Küsten bei Seewind etwas darunter.

Die Nacht zum Mittwoch verläuft ruhig und unspektakulär. Zwar schwächt sich das Bodenhoch etwas ab, dafür keilt der Rücken etwas nach Nordosten aus, so dass an der fortdauernden antizyklonalen Ausrichtung keine Zweifel bestehen. Letzte Schauer und Gewitter im Südosten Bayerns fallen alsbald zusammen und es folgt landesweit eine gering bewölkte bis klare Nacht. Die fällt im Norden und Nordosten wieder etwas milder, aber immer noch lüftungsfreundlich aus, was man im Südwesten trotz 1-2 Grad weniger als in den Vornächten nicht unbedingt behaupten kann.


Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC

Mittwoch ...

behalten die Aussagen aus der Frühübersicht ihre Gültigkeit.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren die Entwicklung mit der abnehmenden Gewitterwahrscheinlichkeit sehr ähnlich.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach

Dipl. Met. Jens Hoffmann

3

SYNOPTISCHE ÜBERSICHT KURZFRIST

ausgegeben am Sonntag, den 21.06.2026 um 18 UTC

SCHLAGZEILE: Heißer Wochenstart in der Südwesthälfte mit bis zu 38°C, dazu von der Mitte bis in den Süden teils kräftige Gewitter.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC

Aktuell ...

haben wir den Zenit der Sommersonnenwende knapp überschritten. Um 10:24 Uhr war es soweit, der subsolare Punkt, also der Ort, über dem die Sonne im Zenit steht, hatte den nördlichen Wendekreis bei 23° 26´ erreicht. Weiter geht nicht, nun geht´s langsam aber sicher wieder zurück in den Süden. Heißt für uns, die Tage werden wieder kürzer, die Nächte länger. Im Grunde ist der Sommer gelaufen und wir können uns schon wieder auf Schnee und Eis(hockey) freuen. Wie meinen? Hat der Hoffmann noch alle Latten am Zaun, ist ihm die Hitze zu Kopf gestiegen? Okay, mal abgesehen davon, dass es in der Regel keiner großen Hitze bedarf, dass der Hoffmann dummes Zeug erzählt, soll an dieser Stelle lediglich etwas provoziert oder auch geträumt werden. Traumtänzer, natürlich stehen wir erst am Anfang des Sommers. Natürlich befinden wir uns erst am Anfang einer wohlmöglich länger andauernden Hitzeperiode. Und natürlich sind Tagesverlust und Nachtgewinn zunächst nur infinitesimaler Natur, sodass wir davon kaum was merken.

Aber genug der Faselei. Zur Lage, die uns heute neben fetter Hitze insbesondere in der Südhälfte auch ein paar knackige Gewitter bis hin zu Unwettern beschert hat. Einer der Hotspots Berlin, wo die Feuerwehr wohl deutlich mehr zu tun hatte als gewünscht. Auch aktuell sind noch einige “Kanten” auf der Platte und das, obwohl die Großwetterlage eher antizyklonal gefärbt ist. In der Höhe ein breiter, von NW-Afrika bis hoch Mitteleuropa reichender, an seinem Nordrand aber abgeflachter Potenzialrücken. Am Boden HARTMUT, seines Zeichens Hochdruckgebiet mit 1033+X-hPa-Zentrum mittemang über der Nordsee. Beide, Rücken und Hoch verstärken sich sogar eher noch. So regeneriert sich der Rücken in seinem Westteil, weil er dort mit Warmluft vorderseitig eines Cut-Off-Tiefs westlich der Iberischen Halbinsel versorgt wird. Und auch die 1030iger-Isobare vergrößert die Fläche, die sie umhüllt.

Berücksichtigt man nun noch, dass sich die Sonne in wenigen Stunden zur Nachtruhe begibt und damit der Energiehahn abgedreht wird, wird einem schnell klar, warum die meisten Modelle - allen vor die hochauflösenden außer AROME - die Gewitterei im Laufe der Nacht weitgehend zum Stillstand bringen. Mal etwas eher, mal etwas später. Da verwundert es, dass die gröberen Modelle nicht ganz so optimistisch sind. Demnach geht sehr wohl noch was, vornehmlich in der zweiten Nachthälfte im Bereich der östlichen Mitte etwa vom südlichen NDS über Teile Thüringens und Sachsen-Anhalts bis nach Sachsen rein (+/-). Im Angebot stehen einzelne Gewitter und/oder schauerartige Regenfälle mit eingelagerten Gewittern. Der Grund könnte ein flacher Sekundärtrog sein, der mit der auf West-Nordwest drehenden Höhenströmung durchgeschleust wird und auf eine sehr feuchte Luftmasse mit abgehobener Labilität trifft. Auf alle Fälle scheinen die Globalmodelle darauf sensitiver zu reagieren als die hochauflösenden. Inwieweit auch die von Norden etwas südwärts vorankommende, leicht diffus daherkommende Kaltfront an den Prozessen beteiligt ist, ist schwer zu beurteilen. Da es sich um nächtliches Geschehen handelt, sprich, sich die Grundschicht ein Stück weit stabilisiert hat, dürfte der KW-Trog die Hauptrolle spielen. So oder so sollten die Nachtdienste diese Region aufmerksam im Auge behalten.

Noch zu erwähnen, dass postfrontal mit nördlicher bis östlicher Strömung eine weniger warme/heiße und auch trockenere Luftmasse in den Norden gelangt. T850 geht auf rund 10°C zurück (zum Vergleich, im äußersten Südwesten liegt sie bei 20°C), die Taupunkt gebietsweise auf unter 15°C. Äußerst komfortable Rahmenbedingungen für nächtliches Lüften, geht doch die Temperatur bei Aufklaren auf unter 15, im schleswig-holsteinischen Binnenland punktuell bis auf 10°C zurück. Da kann man weiter südlich nur neidisch werden, insbesondere im Südwesten, wo vielerorts einmal mehr eine Tropennacht mit über 20°C Minimum ansteht.

Montag ...

ändert sich gar nicht mal so viel an der Gesamtkonstellation. In der Höhe der Rücken mit Achse über Westeuropa, was bei uns eine vergleichsweise schwache west-nordwestliche Höhenströmung mit antizyklonaler Kontur zur Folge hat. Am Boden Hoch HARTMUT mit Zentrum über der Nordsee und Keil bis zur westlichen Ostsee respektive Nordostdeutschland. Auf seiner Südflanke kommt die Kaltfront noch etwas in Richtung Landesmitte voran, bevor sie im Tagesverlauf mangels ausreichend Baroklinität und auch sonstiger schwacher Marker möglicherweise der Frontolyse zum Opfer fällt.

Front hin, Frontolyse her, Fakt ist, dass der Norden in den Genuss einer thermisch moderaten, nicht ganz so feuchten und zudem stabilen Luftmasse kommt, in der die Temperatur trotz ausreichend Sonnenschein unterhalb der 30°C-, ganz hoch im Norden sogar unterhalb der 25°C-Marke bleibt. Direkt an der Küste stehen bei nördlichen Wind z.T. nur rund 20°C auf der Karte.

Die Mitte und der Süden hingegen verbleiben weiterhin in der sehr warmen bis heißen “tropical airmass”. Am feuchtesten ist die Luft in der Mitte und im Südosten (PPW über 30, gebietsweise über 35 mm, spez. Grundschichtfeuchte um 13 g/kg), am labilsten ist sie im Südwesten. Auf alle Fälle wird wieder ordentlich CAPE generiert, ML-CAPE z.T. bis 1500 J/kg, wobei zwischen Alpenrand/südlichem Vorland und Oberrheingraben wegen der trockenen Grundschicht ein Minimum auszumachen ist. Das bedeutet aber nicht, dass nicht auch dort ebenso wie in den anderen Regionen - vornehmlich ausgelöst durch die Orografie, die ein oder andere Überentwicklung in die Höhe schießt. Scherung ist, sieht man mal von kleinräumiger, durch die Topographie induzierter ab, kaum vorhanden. Heißt im Umkehrschluss, dass die Gewitter häufig in Form pulsierender, langsam süd-südostwärts ziehender Einzelzellen auftreten. Möglich, dass diese nach Südosten hin hier und da mal zu einer nicht allzu großen Multizelle zusammenwachsen. In der Basis wird in der markanten Liga gespielt (SR 15 bis 25 l/m² innert kurzer Zeit, kleiner Hagel und Böen 8 Bft). Unwetter durch SR > 25 l/m² und etwas größeren Hagel bis zu 3 cm (aufgrund der hohen Energiewerte) sind nicht ausgeschlossen und auch stärkere Böen 9 (10) sind im Südwesten aufgrund der inversen V-Struktur mit erhöhtem DCAPE nicht gänzlich von der Hand zu weisen.

Ebenso wenig kann negiert werden, dass es ein heißer, in Teilen verdammt heißer Wochenanfang wird mit Tageshöchstwerten zwischen 29 und 35°C, im Südwesten 34 bis 38°C. Für Ende Juni schon sehr ungewöhnlich, sowohl von den hohen Werten her, aber auch von der Andauer der Hitze auf diesem Niveau.

Kurz noch in die Nacht zum Dienstag, wo sich der Rücken etwas nach Südwesten zurückzieht, während das Bodenhoch unter leichter Abschwächung von der Deutschen Bucht auf deutsche Festland wechselt. Die Modelle simulieren übereinstimmend ein Nachlassen bzw. sogar gänzliches Einschlafen der Konvektion. Auf der Suche nach den Gründen findet man neben dem Tagesgang (der aber nicht immer ein Garant ist) ein leichte Abtrocknungstendenz innerhalb der Luftmasse sowie - trotz Rückzug des Rückens - eine leichte Sperrschicht bei etwas 600 hPa, die als potenzieller Deckel fungiert. Außerdem deuten sich keine Importgewitter von unseren unmittelbaren Nachbarn an, so dass die Nachtdienste optimistisch in ihre Schichten einsteigen können - wohlwissend, dass man auf dem Sektor Konvektion, vor allem nächtlicher Konvektion nie vor Überraschungen gefeit ist.

Wenig Neues von der Temperatur. Während das mit der Abkühlungsrate hoch im Norden zumindest abseits des unmittelbaren Küstensaums hervorragend funktioniert (wir reden hier von Tiefstwerten bis 10°C, in SH lokal vielleicht sogar einstellig), bleibt es gerade im Südwesten sehr, sehr mollig mit über 20°C.


Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC

Dienstag ...

liegen keine substanziellen Ergänzungen oder Unterschiede zur Frühübersicht vor.

Modellvergleich und -einschätzung

Die grundlegenden Muster werden sehr ähnlich simuliert. Wie so oft liegt der Teufel im Detail und dass wir da mal mehr, mal weniger in die Irre geführt werden, haben die letzten Tage und Nächte gezeigt. Von daher gilt: Blaumann an, Nowcast-Handwerkskoffer raus und in situ warnen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach

Dipl. Met. Jens Hoffmann

5

SYNOPTISCHE ÜBERSICHT KURZFRIST

ausgegeben am Donnerstag, den 18.06.2026 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen: GWL: Übergang zu SWa (Südwest antizyklonal)

Sehr warm bis heiß mit zunehmender Hitzebelastung, dazu meist zwar nur örtliche, dafür aber kräftige Gewitter mit Unwettergefahr!

Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC

Donnerstag...

geht´s thermisch zum ersten Mal so richtig zur Sache. Zwar ging es im Südwesten bereits gestern, bedingt sogar vorgestern los (Tmax um oder über 30°C). Heute reden wir dann aber schon über 35 und 36°C und vor allem, die 30°C-Isotherme arbeitet sich deutlich nach Norden voran bis in die Norddeutsche Tiefebene. Damit sind die Weichen ganz klar gestellt (klarer zumindest als bei der DB): Der kalendarische Frühling (endet Sonntagvormittag) geht mit der ersten ernstzunehmenden Hitzeperiode des Jahres zu Ende, verabschiedet sich also hochsommerlich. Die einen mögen´s, andere eher weniger, hilft nix. Die Lage in der Übersicht.

Deutschland befindet sich heute unter einem Potenzialrücken, der sich von NW-Afrika bis nach Mitteleuropa erstreckt, wo er zusehends abflacht. Flankiert wird der Rücken von zwei Trögen, einem über dem nahen Atlantik und einem über dem nahen Osteuropa. Die Konstellation hat was von Omega, zumal zumindest heute auch nur wenig Progression in dem Muster zu verspüren ist. Der westliche Trog füttert den Rücken immer wieder mit Warmluft, so dass sich seine Ostverlagerung in infinitesimalen Geschwindigkeitsschritten vollzieht. Mit anderen Worten, Absinken ist Trumpf, was weiten Landesteilen nicht nur einen heißen, sondern auch sonnenscheinreichen Donnerstag beschert.

Ein Bodenhoch gibt´s übrigens auch - wenig verwunderlich angesichts der Übermacht des Rückens. Ob FALK (so der offizielle Terminus) oder GORGIAS (war gestern bei uns schon vorstellig) sei mal dahingestellt. Wahrscheinlich sind beide beteiligt in der leicht amorph anmutenden 1020+x-Hochdruckzone, die sich heute Morgen etwa vom Schwarzen Meer über Süddeutschland bis nach Frankreich erstreckt. Der Schwerpunkt des Hochs verlagert sich langsam aber sicher gen Osten, was uns auf seine warme oder in diesem Falle besser heiße Flanke bringt. So steigt T850 nicht nur subsidenzbedingt, sondern ein Stück weit auch advektiv mächtig an, so dass heute Abend Werte rund 12°C an der Ostseeküste bis zu 21°C an der schweizer Grenze (Hopp Schwyz, viel Glück heute Abend vs. Bosnien-Herz.) auf der Anzeigetafel stehen. Labil ist die Luftmasse südwesteuropäischer Herkunft auch (xS). Allerdings mangelt es in der Vertikalen noch an ausreichend Feuchte, um die Luft energetisch soweit aufzubereiten, dass sie für konvektive Schandtaten bereitsteht. Zu fett ist der Deckel, vor allem auch bedingt durch die vergleichsweise trockene Grundschicht. Es wird schwer für die stets zu Diensten stehende Orografie, als Zündkerze potenzieller Gewitter zu fungieren. Dabei bräuchte es “den Berg”, damit überhaupt was geht. Der Rücken jedenfalls leistet keinen Beitrag, sondern arbeitet eher dagegen.

Bliebe nur noch zu konstatieren, dass je weiter wir in den Norden und Nordosten schauen, desto mehr Wolken und desto weniger heiß. Typischer Fall von Hochrandlage, bei der hinter der gestern durchgezogenen Warmfront feuchte Luftmassen advehiert werden. Thermisch ist bei teils schwülen 23 bis 28°C Schluss, an Küstenabschnitten mit auflandigem Wind sogar noch etwas eher.

In der Nacht zum Freitag könnte es interessant werden. Allerdings hängt das ganz davon ab, was tagsüber und am Abend bei unseren westlichen Nachbarn so passiert. Dort etabliert sich bereits jetzt schon eine Tiefdruckrinne, die im Tagesverlauf auf französischer Seite gebietsweise mit Leben gefüllt wird (Gewitter). Je nach dem, wie diese sich entwickeln und auf ihrem Weg nach Nordosten über die erste Nachthälfte kommen, könnte auch bei uns im Westen und Nordwesten was gehen. Die Grundvoraussetzungen sind nicht schlecht: Die Luftmasse wird zusehends feuchter, Labilität + MU-CAPE sind vorhanden. Darüber hinaus werden schwache Störungen um den Rücken herumgeführt (am besten erkennbar in der IPV-Darstellung), die sicher auch nichts gegen nächtliche Gewitter hätten, sie zumindest nicht verhindern würden. Unsicher ist derzeit noch, ob eventuell ein organisierter Gewittercluster (MCS) den Weg zu uns findet oder “nur” einzelne Gewitter(reste). Tatsache ist, dass eigentlich alle Modelle was im Köcher haben und z.B. ICON-D2 seine gestern noch an den Tag gelegte Zurückhaltung aufgegeben hat. Als Begleiterscheinung gilt es primär auf den Starkregen zu achten (PPWs teils über 35 mm), der im schlechtesten Fall sogar das Unwetterkriterium > 25 l/m² innert kurzer Zeit reißen könnte. Hagel, zumindest größerer Hagel sollte aufgrund des reduzierten Energieangebots weniger ein Thema sein, ebenso der Wind bzw. Sturm (Stichwort nächtliche Stabilisierung der Grundschicht). Aber nochmal, viel wird davon abhängen, wie gut die Import-Gewitter organisiert sind respektive welche Eigendynamik sie aufbringen.

Der große Rest des Landes kann sich ganz entspannt den auf TV projizierten Bewegungen männlicher Fußballerbeine in Übersee widmen oder - wahrscheinlich besser - die Nacht zum Schlafen nutzen. Besser auch deswegen, weil es in den nächsten Nächten immer schwieriger wird, einen erholsamen Schlaf zu finden. In den Ballungszentren West- und Südwestdeutschlands sowie in mittleren Höhenlagen könnte das jetzt schon zum Problem werden, kühlt es doch nicht unter 20°C ab, was per definitionem eine Tropennacht bedeutet. Ansonsten stehen Tiefstwerte zwischen 19 und 12°C auf dem Zettel, wobei die Abkühlung im Südosten der Republik am besten funktionieren dürfte.

Freitag...

bekommt das großräumige Strömungsmuster einen kleinen Schub nach Osten, wobei die Betonung auf “klein” liegt. Der Trog über dem nahen Atlantik steckt seine Energie nämlich lieber in den Ausbau seiner Amplitude als in Translation, was bei uns ein Aufsteilen der Höhenströmung zur Folge hat. Dabei verlagert sich die Rückenachse etwas nach Osten, was den Vorhersageraum unter eine weiterhin stark antizyklonale konturierte, südliche bis westliche Höhenströmung bringt. Das Bodenhoch entfernt sich noch ein wenig gen Osten, wodurch sich die im Bodendruckfeld nun deutlicher zutage tretende Tiefdruckrinne bis in den Westen und Nordwesten des Landes ausweiten kann. Hinzu kommt eine weitere Labilisierung und Anfeuchtung der mit subtropisch fast schon euphemistisch skalierten Luftmasse (besser wäre wahrscheinlich “Tropenluft”, auch wenn das von der Genese vielleicht nicht ganz richtig ist). Die Taupunkte steigen im Norden und Nordwesten auf 20°C oder etwas drüber, gepaart mit einer gesamttroposphärischen Feuchteflusskonvergenz (PPW bis zu 40 mm).

Kurzum, es verwundert nicht wirklich, dass der Energiegehalt der Luftmasse gegenüber heute fast schon einen Quantensprung macht angesichts apostrophierter ML-CAPE-Werte von gebietsweise um 2000 J/kg. Auf der anderen Seite soll aber nicht verhehlt werden, dass die Luftmasse weiterhin gedeckelt ist (CIN) und dass es gilt, diesen Deckel zu sprengen, sofern man denn konvektive Umlagerungen haben möchte. Auf der Suche nach möglichen Impulsgebern meldet sich die Dynamik gleich mal ab. Obwohl wir zusehends auf die Rückseite der Rückenachse kommen, zeichnen sich keine Randtröge o.ä. ab, die den Weg zu uns finden. Schauen wir also zunächst mal auf das, was da von der Nacht noch so übrig ist: Gewitter, Schauer, vielleicht ein gewittriger Regenkuchen oder gar doch die veritablen Reste eines MCS? Man wird sehen. So oder so, es deutet sich an, dass diese Schauer und Gewitter wie immer sie auch organisiert sind, über Norddeutschland ostwärts gesteuert werden und dabei möglicherweise in die vormittägliche Depression reinlaufen (=> weniger oder keine Gewitter mehr), bevor sie nach Osten hin mit zunehmender Tageslänge wieder aktiviert werden - vielleicht.

Nächste Frage, was können diese Gewitter eventuell für die Entstehung anderer Gewitter an anderer Stelle leisten. Antwort: Einiges! Es wäre nicht das erste Mal, das aus den Gewittern herauslaufende Outflow-Boundaries die Rolle des Impulsgebers einnehmen, nicht selten unter Mithilfe der Orografie. Auch wenn die Numerik diesbezüglich defensiv agiert, lässt sich nicht ausschließen, dass z.B. über dem zentralen und/oder östlichen Bergland am Nachmittag gezündelt wird - abwarten. Die Modelle jedenfalls stehen eher auf der Variante, dass sich aus dem west- bzw. süddeutschen Bergland was entwickelt oder aber am Abend neue “Ware” aus Belgien und den Niederlanden die Grenze überschreitet. Mit anderen Worten, es gibt noch einiges an Spielraum, den es zu füllen gilt. Warnfrei geht der Tag jedenfalls nicht über die Bühne (allein schon wegen der Hitze nicht), womit wir bei den möglichen Begleiterscheinungen der konvektiven Umlagerungen wären. Ein Thema ist sicherlich der Starkregen, vor allem aber nicht ausschließlich bei den südlichen Gewittern, die eher von der trägen Sorte sind. Lokale Unwetter (> 25 l/m² innert kurzer Zeit) können dort als wahrscheinlich angesehen und vereinzelte extreme Gewitter (> 40 l/m²) nicht zu 100% ausgeschlossen werden. Größerer Hagel ist ebenfalls zu erwarten, weniger wegen der eher limitierten Scherung als vielmehr wegen der hohen CAPE-Werte (die allerdings im Süden mit denen im Norden/Nordwesten nicht mithalten können). Beim Wind hängt Vieles von der Organisation ab, denn die Dynamik lässt keine großen Sprünge zu, wohl aber das inverse V im unteren Troposphärenbereich. Basis eher Böen Stärke 7-9 Bft, bei guter Organisation auch mehr.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass bei aller Uffregung um mögliche Gewitter die meisten von uns leer ausgehen und sich eher Gedanken darüber machen dürften, wie sie der Hitze trotzen. Die macht morgen nämlich unter gütiger Mithilfe der hochstehenden Sonne (fast Jahreshöchststand) weitere Fortschritte. So steigt die Temperatur verbreitet auf 30 bis 36°C, vom Südwesten bis in die Mitte stellenweise auf 37 oder gar 38°C. Selbst an den Küsten könnte die 30°C-Marke erreicht oder etwas überschritten werden, sofern sich kein Seewind einstellt. Also ab nach Helgoland...

In der Nacht zum Samstag ändert sich nicht viel an der großräumigen Strömungskonstellation. Allerdings gibt es Hinweise, dass ein flacher Sekundärtrog in die schwache südwestliche Höhenströmung eingelagert ist, der auch den Vorhersageraum erfassen soll. Welchen Impact er dabei erzeugt, ist noch offen. Die Modelle reagieren wenig überraschend individuell unterschiedlich. Es lässt sich aber dahingehend ein gemeinsamer Nenner finden, als dass die Berglandgewitter noch etwas nach Nordosten vorankommen, sich dabei tendenziell aber abschwächen. Ob sie ganz absterben, ist aber fraglich. Dann ist es so, dass die Gewitter aus dem Westen inkl. neuer Importgewitter ost-nordostwärts gesteuert werden. Welche Form sie dabei annehmen (Einzel-, Multizellen, Cluster) ist ebenso noch fraglich wie die Auswirkungen, die natürlich stark von der Organisationsform abhängen. Es macht also wenig Sinn, an dieser Stelle schon zu tief in die Materie einzusteigen. Einigen wir uns darauf, dass mindestens mal mit markanten Gewittern gerechnet werden muss, dass aber auch Unwetter alles andere als eine Überraschung wären.

Darüber hinaus bleibe “nur” noch festzuhalten, dass die Nacht sehr mollig bleibt angesichts verbreitet zu erwartender Tiefstwerte um oder über 20°C. Am besten klappt es mit der Abkühlung noch im Süden und Südosten, wo es z.T. auf 15°C oder etwas weniger runtergeht.

Samstag...

verbringen wir unter einer leicht flatternden, insgesamt aber nur schwachen südwestlichen Höhenströmung. Die Rückenachse ist knapp raus, während über die Nordsee ein Randtrog nordostwärts schwenkt. Am Boden herrscht ebenfalls ein schwacher Gradient vor, wobei aber durchaus eine gewisse Struktur erkennbar ist. So bringt sich hinter dem alten Hoch über UK/Irland und dem Ärmelkanal ein neues Hoch in Stellung, das im weiteren Verlauf auch für uns an Relevanz gewinnt. Getrennt werden die beiden Hochs durch eine diffuse Rinne mit mehreren Windkonvergenzen (bei schwachen Winden wohlbemerkt). Summa summarum also eine zyklonal angehauchte Gemengelage, gepaart mit einer energetisch fett angereicherten Warm- bzw. Heißluft.

Zunächst mal müssen die Reste der nächtlichen Gewitter abgewickelt werden, bevor sich neue Entwicklungen bilden. Wie genau das vonstattengeht, ist noch nicht belastbar vorherzusehen, weil die Modelle jeweils andere Ideen präsentieren. Was zu erkennen ist, ist ein deutlicher Trockeneinschub im Südwesten, der dort dem Gewitterpotenzial einen erheblichen Dämpfer verpasst. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass mit Winddrehung auf West bis Nord am Rande des neuen Hochs im Westen und Nordwesten frühzeitig eine Stabilisierung einsetzt. Ansonsten ist von Rohrkrepierer oder nix bis zum (extremen) Unwetter fast alles möglich.

Weniger möglich als vielmehr sicher ist die Fortdauer der Hitze mit Spitzen bis zu 37°C, vielleicht 38°C im Südwesten.

Modellvergleich und -einschätzung

Über die Variabilität bzw. Volatilität der Modelle insbesondere im Hinblick auf das konvektive Geschehen wurde schon ausreichend philosophiert. Im Kern ist sich die Numerik aber einig, heißt, viel Sonne, nach Norden und Nordosten hin etwas reduzierter und Hitze satt. Ob da in der Spitze 36, 37 oder gar 38°C herausspringen, ist medial vielleicht von Interesse, spielt sonst aber nur eine untergeordnete Rolle.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach

Dipl. Met. Jens Hoffmann

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SYNOPTISCHE ÜBERSICHT KURZFRIST

ausgegeben am Samstag, den 02.05.2026 um 18 UTC

SCHLAGZEILE: Letzter Heidenheim mit Fast-Sensation in Fröttmaning - und beim Wetter? Verbreitet (hoch)sommerlich und Opening der konvektiven Saison

Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC

Aktuell ...

Viel fehlte nicht und die Heidenheimer Jungs von Kulttrainer Frank Schmidt hätten heute als Tabellenletzter bei den hochgepreisten Bayern in München gewonnen. Eigentlich wäre es ja mal Zeit gewesen, die Jungs von Hannover 96 abzulösen, die das vor knapp 20 Jahren (8. November 2006) mit einem 1:0 zum letzten Mal geschafft haben. Nun gut, es sollte nicht sein und somit können wir und dem eigentlichen Thema dieses Bulletins widmen, dem Wetter. Da befinden wir uns aktuell auf der Zielgeraden des ersten richtigen Sommertags im Jahr 2026. Zwar wurden schon Anfang April in Regensburg knapp über 25°C gemessen und auch am gestrigen Maifeiertag haben eine Handvoll Stationen im Westen und Südwesten das erforderliche Kriterium knapp erfüllt. In der Fläche allerdings ist der heutige Samstag der erste Tag mit verbreitet 25+x°C. Verwunderlich ist das nicht, schien und scheint doch von wenigen Ausnahmen abgesehen einmal mehr die Sonne. Doch nicht nur das, auch die Wetterlage oder besser die Änderung der Wetterlage spielen der Erwärmung in die Karten. So wandert das bis dato wetterbestimmende Hoch WINFRIED langsam nach Osten ab, was uns unweigerlich auf seine warme Westflanke bringt. Dort wird von Südwesten her zunehmend warme, in Teilen (zunächst im Westen/Nordwesten) aber auch feuchtere Luft südwesteuropäischer Herkunft in den Vorhersageraum advehiert (T850 heute Abend zwischen 9°C im nordwestlichen NDS und bis zu 14°C am Alpenrand sowie an der Grenze zur Schweiz), die leichter zu erwärmen ist als die nachtkühle, kontinental geprägte Polarluft der vergangenen Tage.

Zweiter Aspekt neben der Erwärmung ist die damit einhergehende erhöhte Wahrscheinlichkeit für konvektive Umlagerungen. Und tatsächlich hat es am frühen Nachmittag im Westen ausgehend von der Eifel angefangen zu zünden. Zwar ist es fast symptomatisch, dass der Erstschlag von einem Mittelgebirge ausging. Gleichwohl muss man konstatieren, dass auch das Druck- und Potenzialmuster seinen Beitrag leistet. Dass das Hoch weicht, wurde schon erwähnt. Den freiwerdenden Platz nimmt eine Tiefruckrinne mit eingelagerter Kaltfront ein (ZUHAL), die aktuell zwar noch etwas westlich von uns liegt, in naher Zukunft aber bis zu uns ausdehnen wird. Und auch in der Höhe wird das Setup ganz allmählich zyklonaler, insbesondere am westlichen Rand der Republik, der auf die Rückseite des in großen Teilen noch immer wetterbestimmenden, nun aber langsam südostwärts abkippenden Höhenrückens gelangt. Wo eine Rück-, da auch eine Vorderseite und richtig, der dazu erforderliche Trog befindet sich über dem nahen Atlantik respektive UK/Irland, von wo aus er bei uns ein seichte südwestliche Höhenströmung mit eingelagerten flachen Wellen induziert.

In den nun folgenden Nachtstunden nimmt die z.Zt. noch recht rege Gewitteraktivität im Westen und Nordwesten kontinuierlich ab. Übrig bleiben teil-verclusterte Schauer, die sich unter Abschwächung über das westliche NDS zur Nordsee raus bzw. hinüber nach HH und SH verlagern. Darüber hinaus ziehen über den Westen und Nordwesten immer mal wieder Wolkenfelder hinweg, während die Nacht im großen Rest gering bewölkt (Cirren) oder klar verläuft. Eine Entkopplung der Grundschicht findet eigentlich nur noch im Südosten schwerpunktmäßig in Bayern statt, wo es gebietsweise auf unter 5°C abkühlt und lokal sogar für kurze Zeit leichter Frost in Bodennähe möglich ist. Ansonsten aber bleibt es mit Tiefstwerten, die häufig zwischen 15 und 8°C liegen, vergleichsweise mild wie schon lange nicht mehr.

Sonntag ...

gibt es den nächsten Anlauf, die konvektive Saison in Deutschland anzuschieben und gleichzeitig den Hochdruckeinfluss zu beenden. Bodendrucktechnisch gelingt das schon ganz gut, weitet sich die o.e. Rinne doch immer weiter nach Osten aus, wobei sie in Norddeutschland eine zunehmend zonale Ausrichtung annimmt. Hapern tut es zunächst noch in der Höhe, wo es der Potenzialrücken nicht ganz so eilig hat und auch die Progression des Troges mit integriertem Höhentief alles andere als forsch ist. So bleiben wir zwar unter einer südwestlichen Höhenströmung, die zunächst aber leicht antizyklonal konturiert ist und erst zum Nachmittag/Abend hin in den indifferenten bis zyklonalen Zustand wechselt. Dann nähert sich auch die Kaltfront an, wenn auch schleifend bis wellend und somit äußerst pomadig. Im Vorfeld strömt feuchte und potenziell instabile Subtropikluft ein (mS), in der im Tagesverlauf im Nordwesten trotz gehandicapter Einstrahlung (immer wieder durchziehende Wolken) einige hundert Joule pro Kilogramm CAPE generieret werden können.

Am Morgen und am Vormittag gilt es rund um die Nordsee sowie in SH noch die Regenreste aus der Nacht zu tilgen. Ob dabei auch ein paar elektrische Entladungen zutage treten, wie von einigen Modellen angezeigt, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlicher sind Gewitter am Nachmittag, wobei sich zwei Zonen herauskristallisieren. Zone #1 liegt im Nordwesten, wo das PPW bis zu 30 mm ansteigt. Da die Organisationsform der Gewitter weitgehend strömungsparallel angeordnet ist und die Grundschicht nicht mehr ganz so trocken wie heute, nimmt die Wahrscheinlichkeit für Starkregen (markant) zu, während sie für Sturmböen abnimmt. Gleichwohl, aufgrund leidlicher Scherung können die Zellen z.T. ganz gut organisiert sein, so dass Böen 7-8 Bft ebenso ins Kalkül zu ziehen sind wie kleiner Hagel (Erbse bis etwa 2 cm Durchmesser). Im Laufe des Abends breiten sich die Gewitter im äußersten Norden langsam ostwärts aus. Mit Annäherung der wellenden Kaltfront kann der Südwestwind im Westen und Nordwesten auch außerhalb der Konvektion mitunter böig aufleben (Böen 6-7 Bft). Für eine Warnung dürfte das aber zu dünn sein.

Baustelle #2 befindet sich im Südwesten, namentlich über dem Schwarzwald, wo die Wahrscheinlichkeit für eine Auslöse leicht erhöht ist. Zwar ist die Luft trockener und energieärmer als im Nordwesten, trotzdem signalisieren viele Modelle die ein oder andere Überentwicklung. Starkregen ist weniger wahrscheinlich, dafür ist durch die trockene Grundschicht (inkl. inverser V-Struktur) die Sturmgefahr höher (8-9 Bft, worst case 10 Bft). Hagel bis 2 cm sind ebenfalls drin.

Darüber hinaus gilt es zu konstatieren, dass sich die gesamte Osthälfte sowie weite Teile Süddeutschlands hochsommerlich und weitgehend unbeeindruckt der der Geschehnisse weiter westlich präsentieren. Zwar ziehen zusehends hohe, nach Westen hin auch mittelhohe Wolken auf. Trotzdem scheint noch für längere Zeit die Sonne, welche die Temperatur in für Anfang Mai bemerkenswerte Sphären zwischen 25 und 30,x°C ansteigen lässt. Heißt auch, dass die Chancen für den ersten heißen Tag des Jahres gutstehen, wobei die Wettquoten dafür im Osten BBs

  • Lausitz sowie in Ostbayern am niedrigsten liegen. Ganz im Westen sowie Richtung Nordsee und SH bleiben die Tageshöchstwerte unterhalb der 25°C-Marke.

In der Nacht zum Montag nimmt die Gewitterwahrscheinlichkeit wieder deutlich ab. Reste der Tageskonvektion ziehen aber noch nordostwärts, wobei der meiste Regen rund um die Nordsee inkl. SH fällt. In Nachthälfte #2 ist auch dort eine deutliche Abschwächung zu erkennen.


Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC

Montag ...

Es gelten im Großen und Ganzen die Ausführungen der heutigen Frühübersicht.

Modellvergleich und -einschätzung

Wie so oft bei vergleichbaren Lagen: Die Basisfelder passen, die Details zur Konvektion schwimmen leicht und erfordern zeitnahes Warnmanagement.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach

Dipl. Met. Jens Hoffmann

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daswetter

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